The Singles

The Clash


A Riot on My Own

Für den jenseits der Festplattenverstopfung an Musik interessierten Konsumenten hat die Tonträgerverkaufskrise einen entscheidenden Vorteil: Selbst die marktbeherrschenden Konzerne kümmern sich inzwischen immer stärker um die Interessen des erwachsenen Musikhörers, der mit dem physischen Tonträger sozialisiert wurde und - sei es aus Nostalgie, sei es aus echtem Qualitätsbewusstsein - auch nach wie vor daran festhält. So wird aus der Not eine Tugend und das Archiv der Plattenfirmen durch Reissues und modifizierte Neueditionen klassischer Alben zur ständig wichtiger werdenden Einnahmequelle.

Pünktlich zum dreißigsten Geburtstag der britischen Punkbewegung wurden solcherart jetzt auch The Clash gewürdigt. Neben den Sex Pistols waren sie die bis heute bekanntesten Protagonisten dieser Szene; vor allem aber haben Joe Strummer & Co das umfangreichste und - dank diverser, vom geradlinigen Punk abweichender Stilexperimente zwischen Rock-'n'-Roll-Nostalgie, Reggae und Old-School-HipHop - auch vielfältigste Werk aller britischen Bands der Ära hinterlassen. "The Singles" (Sony BMG) würdigt das auf opulente Art und Weise: Im schmucken Hartkartonschuber birgt diese Box alle 18 regulären Singles der Band samt B-Seiten im Originalartwork; die 1977 als Beilage zum Musikmagazin NME veröffentlichte "Capitol Radio EP" mit einem, dank unterirdischer Tonqualität, kaum verständlichen Interview gibt's als Bonus. Und weil der erwachsene Pophörer und seine Bedürfnisse offenbar tatsächlich ernstgenommen werden, ist die Box auch auf Vinyl zu haben, wobei jeder Schnickschnack des jeweiligen Single-Artworks detailgetreu reproduziert wurde.

Der Bogen spannt sich so vom kämpferischen Debüt "White Riot" ("White Riot/I want a Riot/White Riot/A Riot on my own") über längst zu Klassikern gewordene große Würfe wie "(White Man) In Hammersmith Palais", "London Calling" oder "Rock the Casbah" bis zum Abgesang "Should I Stay or Should I Go" und dem Postskriptum "This Is England"; die CD-Version enthält obendrein noch alle Raritäten der einstigen Vinylmaxis. Ein wie die Box selbst sehr ansprechend gestaltetes 44-seitiges Booklet komplettiert "The Singles", die Linernotes stammen von einstigen Weggefährten wie The Clashs findigem Manager Bernard Rhodes oder dem NME-Journalisten Tony Parsons sowie von berühmten Fans à la Irvine Welsh, Bobby Gillespie, Carl Barat, Nick Hornby und Damon Albarn.

Gerhard Stöger in FALTER 50/2006



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