Potsdam Meets Vienna

Musica Novantica Vienna


Rund um Mozart

Seit 27. Januar wird Mozarts 250. Geburtstag gefeiert, und weil das Jubeljahr seit dem 5. Dezember, dem 215. Todestag, nun langsam, aber sicher zu Ende geht, wird es Zeit, noch einen Blick auf einen seiner interessantesten Nebenaspekte zu werfen: Gerade von kleineren Plattenfirmen sind heuer einige Aufnahmen erschienen, die das vom großen Komponisten überschattete Umfeld Mozarts beleuchten.

Die Grazer Pianistin Sigrid Trummer etwa setzte ihre Reihe "Frauentöne" mit Band 6 fort, der sich der "Klaviermusik von Zeitgenossinnen Mozarts" widmet (Re Nova Classics). Die blinde Virtuosin, Sängerin und Komponistin Maria Theresia Paradis war damals wie heute wohl die bekannteste unter ihnen, auch die als Mozartschülerin nicht ganz vergessene Josepha Auernhammer ist vertreten (mit Variationen über "Der Vogelfänger bin ich ja") sowie Marianne Martines, Marianna Auenbrugger und Anna Bon di Venezia.

Das Salzburger Duo Nota Bene deutet schon mit den musikalischen Wiederholungszeichen im Titel seines neuen Albums ": Mozart :" (Extraplatte) an: Wolfgang Amadeus Mozart gab es zweimal. Franz Xaver alias Wolfgang Amadeus junior (1791-1844) wurde von Witwe Constanze umgetauft und zu einer Wunderkindkarriere gezwungen. Kein Wunder, dass er tragisch scheiterte, obwohl seine frühromantischen Werke durchaus eigenständige Qualitäten aufweisen. Trotzdem sind Eva Steinschaden (Violine) und Alexander Vavtar (Klavier) ein bisschen gemein zum kleinen Mozart, denn dem Vergleich mit der väterlichen Violinsonate A-Dur, KV 526, hält seine F-Dur-Sonate, op. 15, keinen Takt lang stand.

Besser ergeht es Franz Xaver Mozart in der Nachbarschaft von Maurice Ravel, Franz Schreker und Frédéric Chopin, denn allenfalls mit Letzterem ließe sich ein ernsthafter Vergleich anstellen. Die Pianistin Susanna Artzt hat auf "La Valse" (Gramola) Dreivierteltaktiges dieser Komponisten zusammengestellt, darunter die Ersteinspielung der charmanten "Six Polonaises mélancoliques", op. 17, von Mozarts jüngstem Sohn.

Biografische Mozartbezüge finden sich auch auf "Potsdam Meets Vienna" (Gramola). Das Ensemble Musica Novantica Vienna spielt flötistische Kammermusik von beiden Höfen, allerdings aus der Zeit, bevor sich Mozart 1789 in Potsdam um Aufträge bemühte. Die Konfrontation zweier Mozartwerke mit Musik der von ihm bewunderten Berliner Bach-Söhne Carl Philipp Emanuel und Wilhelm Friedemann, aber auch von Johann Joachim Quantz ist dennoch interessant.

Carsten Fastner in FALTER 49/2006



ANZEIGE


FALTER abonnieren
×