Caution Overload

No Head On My Shoulders


Austropunks

Als Punk der Popkultur vor dreißig Jahren einen massiven Arschtritt verpasste, war in Österreich davon nur ein vergleichsweise sanftes Schubserl zu spüren. In einer Zeit, in der Punk längst zur konventionellen Rockspielart wurde, die problemlos ins Werbefernsehen passt, stellt sich die Situation etwas anders dar: Abseits größerer medialer Wahrnehmung hat sich auch hierzulande eine konsequent arbeitende und teilweise international agierende Szene gebildet. 3 Feet Smaller aus Wien gehören zu den erfolgreichsten Austropunks der Nullerjahre, ihr 24-jähriger Sänger Marcus Smaller gestattet sich jetzt unter dem programmatischen Pseudonym Alone & Acoustic den Luxus eines akustischen Singer/Songwriter-Albums. "Into the Unknown" (Pate/Edel) hat gute Momente, die problemlos als Liebeskummerbegleiter der Gilmore Girls denkbar wären, aber auch Aussetzer wie die entbehrlichen Gastauftritte des Sängers der deutschen Kinderpunkband Killerpilze und des ehemaligen Schönheitsfehler-Rappers Poser Paul; insgesamt scheint Smaller die zur Bewältigung dieser gewagten Aufgabenstellung notwendige emotionale Tiefe noch ein wenig zu fehlen.

Der mit zwei Bläsern ausgestattete PBH Club spielt auf "Audio Transmitted Holiday" (Remedy/ Hoanzl) handwerklich einwandfreien Ska-Punk, der aber nicht nur durch seine Gefallsucht, sondern auch durch danebene Texte ungut auffällt. "Ironie" kommt als mögliche Motivation hinter Zeilen wie "Hey my Rockgirl/You are so beautiful as can be/For my heart you are TNT/You're my personal Bitch - mysterious Witch" wohl kaum in Betracht, und Blödheit ist kein Entschuldigungsgrund.

Zu acht und mit insgesamt vier bisweilen auch balkanisch tönenden Bläsern treten No Head On My Shoulders an, deren mal spielerisch, mal theatralisch facettenreiche CD "Caution Overload" (Remedy/Hoanzl) wenig hält von durchgeschalteter Geradlinigkeit und die trotz des einschlägigen Bandnamens auch keinem Spaßzwang unterliegt.

Das überzeugendste aktuelle Austropunkangebot stammt von den reformierten Seven Sioux um Sänger und Texter Rainer Krispel. "We Are Not the Scared People" (Fettkakao/Trost) lässt die alten Tugenden des ursprünglich in den frühen Neunzigern aktiv gewesenen Quartetts wieder aufleben, kombiniert druckvolle Musik mit eingängigen Melodien und markantem Gesang und vermittelt Punk eben nicht nur als Musikstil, sondern vor allem auch als Haltung.

Gerhard Stöger in FALTER 48/2006



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