Trouble

Jamie Saft


Dass Bob Dylan gecovert wird, ist ja, weiß Gott, nix Neues; dass er "verjazzt" wird, schon eher. Das wurde aber von Michael Moores grandiosem Trio Jewels & Binoculars auch schon vorgemacht, weswegen die Erwartungen an Tastenmann Jamie Saft möglicherweise recht hoch sind. Allerdings kommt er vorerst als ganz zurückhaltender, erst nach und nach in jubilierende Abweichungen ausbrechender Pianoprediger daher, begleitet von sehr sonorem Bass (Greg Cohen) und uneitel antriebigem Schlagzeug (Ben Perowsky). Später wird er auch auf der Hammondorgel stottern und sich generell mehr improvisatorische Freiheiten nehmen. Als Gastsänger ruft uns der exaltierte Mike Patton (Faith No More) mit seiner hysterischen Interpretation von "Ballad of a Thin Man" in Erinnerung, warum wir den coolen Zynismus Dylans so schätzen, wohingegen Antony mit dem ganz schlichten "Living the Blues" für wohlige Schauer und einen Höhepunkt des durchwachsenen Albums sorgt.

Klaus Nüchtern in FALTER 48/2006



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