A Thousand Moments We Let Pass ...

Once Tasted Life


Austroindierock

EAV und STS waren vorgestern; die Steiermark scheint sich bei einem Blick auf heimische CD-Neuerscheinungen zur neuen Metropole des Indierockgeschehens zu entwickeln. Killed By 9V Batteries sind dafür das beste Beispiel. Nach einigen selbstproduzierten Aufnahmen ist "Killed By 9V Batteries" (Siluh/Hoanzl) das offizielle Debüt des jungen Trios, mit dem Weiz kurzerhand zum Seattle Österreichs wird. Fernab aktueller Trends lässt man es in Spätachtziger-und Frühneunzigermanier krachen; das Wechselspiel zwischen akustischen und verzerrten Passagen erinnert an Grunge, die Liebe zum Gitarrenlärm an Sonic Youth. Zwar bleibt die Spannung noch nicht wirklich über die Gesamtdistanz aufrechterhalten; die teils atemlose Aufgeregtheit hat aber auch ohne permanente Bündelung ihren Reiz.

Das alkoholbetriebene Grazer Sixtiesgaragenrocksextett The Staggers trägt ebenfalls seinen Teil zum Steirerrockboom bei. Ihr langerwartetes erstes Album "Teenage Trash Insanity" (Wohnzimmer/Broken Silence) ist eine Platte wie ein überdrehtes B-Movie; 13 in 37 Minuten heruntergeklopfte Songs machen dem programmatischen Titel alle Ehre und kombinieren schmissige Instrumentalstücke mit formvollendet hysterischen Krachern der Marke für immer jung und blöd im Kopf.

Ungleich biederer gehen Once Tasted Life zu Werke. "A Thousand Moments We Let Pass " (Acute/Edel) bietet flotten Indiepop mit melancholischem Touch, der auch dynamischen College Rock zulässt, neben der Erregungsarmut aber nicht zuletzt am etwas zu forcierten Gesang laboriert.

Handwerklich einwandfrei gemacht ist der im Folk geerdete, gefühlvolle Akustikindierock des Grazer Trios Lamexcuse; an zündenden Momenten herrscht letztlich aber auch auf ihrer im Eigenverlag veröffentlichten CD "All Important Little Things" (Vertrieb: Hoanzl) ein gewisser Mangel.

Petsch Moser ist die einzige nicht steirische Band dieser kleinen Rundschau. Das gelungene neue Album der Wiener, "Reforma" (Wohnzimmer/Broken Silence), punktet musikalisch wie textlich durch einen bemerkenswerten Facettenreichtum. Der großzügige Pianoeinsatz steht ihrem poetischen, deutschsprachigen Indiepop gut zu Gesicht, und auch die Mischung aus flotten Rocksongs wie dem aktuellen FM4-Hit "Gustav K" und ruhigen, teils an die Linzer Shy in ihrer Countryphase erinnernden Liedern funktioniert bestens.

Gerhard Stöger in FALTER 44/2006



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