In Kuhlen und Hohlwegen

Harald Koelbl 4


Das CD-Debüt eines selbst in der Jazzszene weitgehend unbekannten autodidaktischen Fourtysomething - das klingt aufs Erste nicht gerade vielversprechend. Ganz großer Irrtum! Dieses Album ist schlicht sensationell! Obwohl das Genre Jazz + Prosa - diesfalls mit den von Hannes B. Pircher gelesenen Texten Klaus Sandlers (1945-1984) - auch eher als Minderheitenprogramm gelten muss. Nicht, dass die Musik des Klarinettisten und Altsaxofonisten Harald Koelbl besonders plüschig daherkäme, aber dieser gut durchlüftete, von allen Retroschlacken befreite Cool Jazz im Geiste eines Jimmy Giuffre ist den beschreibungsgenauen, klar konturierten Texten absolut adäquat, ohne sie bloß zu illustrieren. Ein Album von derartig präziser Poesie wird man nicht so bald finden. Und obwohl es jahreszeitlich nicht ganz passt ("Es war ein herber, windiger Frühlingsvormittag mit geschwinden, weißen Wolken vor einem tiefen Himmel"), ist es die perfekte Begleitmusik für diesen Jahrhundertherbst.

Klaus Nüchtern in FALTER 42/2006



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