On Broadway Vol.4

Paul Trio Motian, Paul Motian


Der ausgeschlafene Schlagzeuger hat sich im American Songbook umgetan und dessen Standards unterschiedlicher Begutachtung unterzogen: In den Aufnahmen mit Pianist Masabumi Kikuchi (dessen jarretteskes Gegrunze nervt) dominieren Abweichung, Abstraktion und Zentrifugalkraft, wohingegen die mit Sängerin Rebecca Martin naturgemäß eine größere Nähe zur Melodie aufweisen und fokussierter wirken. "Tea for Two" wird im Downtempo-Bereich eines Lester Young angesiedelt, und ob der in Aussicht gestellte Kindersegen tatsächlich ein solcher ist, bleibt angesichts Martins verwundbarer und semidepressiver Artikulation sehr die Frage. Sie kann aber auch anders - dunkler, sinnlicher, cassandrawilsonhafter -, und die Spannung zwischen ihrer überzeugenden Performance, die "Brother Can You Spare a Dime" zum komprimierten Drama macht, und dem nie bloß begleitenden Trio (allen voran der fantastische Saxofonist Chris Potter!) ist das große Plus dieses Albums.

Klaus Nüchtern in FALTER 40/2006



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