Year Of The Dog ... Again

DMX


HipHop Kontrolle

Mit gerade einmal 26 Jahren ist die schlicht als Kelis bekannte Sängerin und Produzentin Kelis Rogers bereits ein alter Hase im amerikanischen HipHop-und R'n'B-Geschehen. Für ihr viertes Album "Kelis Was Here" (Virgin/EMI) hat sie den auffälligen Lockenkopf einem schicken Kurzhaarschnitt geopfert; ihr selbstbewusstes Auftreten nahm beim Stilwechsel von der Göre zur Lady aber keinen Schaden. Obwohl sich die Vielfalt der erstmals ohne Mithilfe ihrer Entdecker The Neptunes entstandenen neuen Stücke bisweilen in Beliebigkeit verliert, bleibt Kelis doch die lässige Alternative zu Beyoncé & Co - das wirklich gute Album muss man sich aus Teilen des 76-minütigen Angebots eben selbst zusammenstellen.

Jurassic-5 sind mit "Feedback" (Interscope/Universal) ebenfalls vier Alben alt. Frei von blöden Posen bleiben die kreative Frühphase des HipHop und die einst als Gegenpol zum Gangsterrap entstandene Native-Tongue-Bewegung weiterhin die wichtigsten Referenzen des Fünfers aus L.A., und wenn sie damit neuerdings etwas stärker auf den Mainstreammarkt schielen, tut das letztlich auch niemandem weh.

Eine Klasse für sich bleiben The Roots aus Philadelphia. Auf "Game Theory" (Def Jam / Universal) halten sie die Fahne des politischen HipHop weiterhin hoch und reflektieren den nicht ganz optimalen Lauf der Dinge - zumal in den USA - in Stücken wie "False Media". Ihre Vorstellung politischer Musik orientiert sich dabei deutlich stärker am gesellschaftskritischen Soul eines Curtis Mayfield als an den agitatorischen Maschinengewehrsalven von Public Enemy, wodurch The Roots stets locker wirken, ohne je wirklich locker zu lassen. Großartige Band, großartige Platte!

Unspektakulär, aber gut ist "4:21 The Day After" (Def Jam/Universal) ausgefallen, das neue Werk des alten Wu-Tang-Clan-Haudegen Method Man. Manche der zwanzig Stücke sind mehr als passabel, und der verstorbene Ol' Dirty Bastard wirkt - via Archivaufnahme - ebenso mit wie Lauryn Hill über ein geschicktes Sample aus ihrer "Unplugged"-Platte zur Duettpartnerin wird.

Beim notorischen Kampfhundliebhaber DMX bleibt stumpf auch auf "Year Of The Dog Again" (Columbia/Sony BMG) Trumpf. Theoretisch unerträglich, kann dieses überzüchtete Testosteronengeböller mit gelegentlichen Momenten der Schwäche ("Lord Give Me A Sign") praktisch aber je nach Tagesverfassung und in kleinen Dosen durchaus Spaß machen.

Gerhard Stöger in FALTER 39/2006



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