Deluxe Vol. 1

Beautiful Kantine Band


Austria Obscura

Baby, lass uns spießig sein" singt die Beautiful Kantine Band auf ihrer bereits dritten CD "Deluxe Vol.1" (Wohnzimmer/Broken Silence), deren Rückseite stilvoll das "Help"-Backcover der Beatles zitiert. Ehrensache, dass es der burgenländischen Entertainercombo mit dem speziellen Sixtiesfaible damit nicht um ein Hohelied aufs Neobiedermeier, sondern um eine etwas anders formulierte Liebeserklärung geht. Auch mit dem Rest der in weniger als dreißig Minuten abgehandelten dreizehn Songs zwischen Beatmusik, Surfinstrumentals, einer Idee von Schlager und einem Hauch von frühem Rock'n'Roll bestätigt sich das Quartett als eine der charmantesten Kapellen des Landes - und kommt im Fansong "Du hast es dir verdient Elfriede" sogar damit durch, Elfriede Jelinek als "sexy Teufelswesen" zu bezeichnen.

Um Stil bemüht sich auch das oberösterreichische Trio Cafe Amigo. Mit "Fuck You, We Are Famous" (Las Vegas Records/Hoanzl) hat man einen passablen Plattentitel, und das Cover, das Anzugträger mit Discokugeln als Kopfersatz zeigt, ist auch ganz nett. Der Trashmixtur aus Drumcomputertanzmusik, Schrammelpunk und NDW-Schlager geht allerdings auf halber Strecke die Luft aus; die Idee ist hier vorerst noch größer als das Ergebnis.

Auf ansprechende Weise eigenwillig ist "Provinz Kaiser" (King Fi/Hoanzl) ausgefallen, das Debüt der Grazer Band Lofi Bohème. Wir hören einen Singer/Songwriter, der sich weder an die Akustikklampfe noch an die unmittelbare Vertonung des kargen Alltagslebens klammert. Irgendwo zwischen Liedermachertum und Jazz, Chanson, Erwachsenenpop und Schlager angesiedelt, treffen die poetischen, bisweilen vielleicht etwas zu forciert vorgetragenen Texte des Sängers und Gitarristen Gregor Schenker - seines Zeichens Theaterkritiker des Steiermark-Falter - vielmehr auf die kundige Unterstützung lokaler Musikprofis, unter anderem von der Gruppe Beefolk.

Anders als glücklich müssen Menschen sein, die ihre Zeit freiwillig mit "Auf Deinen Schwingen" (Sony BMG) verbringen, dem neuen Werk des kommerziell vor allem in Deutschland erfolgreichen Wiener Gruftpop-und Düsterrockduos L'Âme Immortelle. Musikalisch ein Genrebausatzkasten, in dem Subtilität streng verpönt ist, konfrontiert diese Platte ihre Hörer mit Texten, die überdosierten Pathosquatsch mit klischeehafter Lethalkoketterie kombinieren.

Gerhard Stöger in FALTER 35/2006



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