(surrounded):

Björk


Björk, komplett?

Fans von Björk sind arm dran, geht die isländische Ausnahmekünstlerin doch nicht gerade großzügig mit der Veröffentlichung neuer Werke um. "Debut", ihrem 1993 erschienenen Soloerstling, folgten mit "Post" (1995), "Homogenic" (1997), "Vespertine" (2001) und "Medùlla" (2004) bis heute gerade einmal vier reguläre Alben; dazu kommen noch die Soundtrackarbeiten "Selmasongs" (2000) zu Lars von Triers "Dancer in the Dark" und "Drawing Restraint 9" (2005) für den vor allem im Kunstkontext gezeigten gleichnamigen Film ihres Lebensgefährten Matthew Barney.

Noch weit ärmer als normale Fans sind Björk-Anhänger mit ausgeprägter Sammelleidenschaft dran: Kaum ein Popstar unserer Tage hat so viele, in den unterschiedlichsten Formaten erhältliche Remixe veröffentlicht wie sie; dazu kommen noch massenhaft außertourliche Tonträger, vom Bootleg-Reissue ihrer als Kind aufgenommenen ersten Platte über die opulente Live-CD-Box bis zum DVD-Stapel. Sammeln wird da schnell zum kostspieligen Fass ohne Boden.

Die regulären Alben sind jetzt unter dem Titel "Björk (Surrounded)" (One Little Indian/Universal) als knallrote Edelbox zu haben - allerdings im neumodernen DualDisc-Format, der in ihrem reinen Funktionalismus ohne jeglichen haptischen oder künstlerischen Mehrwert wohl letzten Erscheinungsform des physischen Tonträgers als Vorstufe zur grauslichen Downloadrealität der Zukunft.

Die CD-Seiten der sieben Silberlinge enthalten - ohne Bonustracks oder sonstigen Schnickschnack - die bekannten Alben; auf der DVD-Seite gibt's die jeweiligen Songs in den vor allem für Hi-Fi-Fachzeitschriften-Leser interessanten Audioformaten Dolby Digital 5.1 und DTS Surround Sound 96/24 bit sowie die Videos zu den Platten (die beiden Soundtrackalben gehen diesbezüglich leer aus: "Dancer in the Dark"-Ausschnitte sucht man vergeblich, und auch die Hoffnung auf Einblicke in Barneys Film wird enttäuscht).

Die komprimierte Form verdeutlicht zwar, dass Björks Musik und ihre außergewöhnlichen Videos den test of time bestehen. Wer diesen kostspieligen Ziegel brauchen soll, ist aber unklar. Fans besitzen längst alles, was die sieben Scheiben in sich bergen, und Einsteiger würde diese Überdosis Björk wohl doch überfordern. Nur: Hübsch ist es halt schon, dieses Paket. Und dann erst diese prachtvolle rote Hartkartonbox mit ihren schmuckverspielten Verzierungen und einem Björk-Kunstwerk vorne drauf! Wie gesagt: Björk-Fans sind arm dran.

Gerhard Stöger in FALTER 29/2006



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