Elf

Trio Elf


Pianotrio goes Pop

Harmonischer Wohlklang, allerdings ohne jede Rockattitüde, ist auch das Signum des Tord Gustavsen Trio aus Norwegen, das mit "The Ground" seine zweite Platte für die renommierte Münchner Plattenfirma ECM einspielte. Ihre Lehrjahre absolvierten die drei bestens eingespielten Herren als Begleittrio der norwegischen Pop-Jazz-Prinzessin Silje Neergard, ehe sie sich im vergangenen Jahr mit ihrem hochmelodiösen Down-Tempo-Jazz endgültig selbstständig machten. Was sie sich ohne weiteres leisten können, landeten sie mit ihrem Album, das mitunter schon ein bisserl am Kitsch entlangschrammt, gar auf Platz eins der norwegischen Pop-Charts. Es beginnt wie ein Klavierstück von Erik Satie, während im Hintergrund ein leises Winseln zu hören ist. Bald schleicht sich ein Thema ein, dass man irgendwie kennt, aber in der Dur-und nicht in der Mollvariante. Außerdem kann es doch nicht sein, dass ein Jazztrio ?

Doch, diese drei Herren können und machen sich tatsächlich über Queens notorische Siegerhymne her. Und dafür, dass so etwas in der Besetzung Klavier, Kontrabass und Schlagzeug eigentlich nur scheitern kann, entfaltet "We Are the Champions" in der Interpretation von The Bad Plus eine erstaunliche Dynamik, die so manchem Zuhörer im Tokioter Jazzclub Blue Note ein fröhliches Jauchzen entlockt. Neben eigenem Material versammelt die Platte "Blunt Object - Live in Tokyo" (Sony/BMG) auch noch ein Stück von Aphex Twin und Blondies Klassiker "Heart of Glass". In allen Fällen spielen die drei Kraftmeier rund um Tastentiger Ethan Iverson mit Electronica-Anleihen ebenso wie mit ironischen Discoparaphrasen und Freejazzzitaten, ohne dabei je die Grundlagen traditioneller Harmonik und Tonalität völlig aufzugeben. Wieder anders in Richtung Pop bewegt sich das Debütalbum des Trio Elf, dessen Name ein Akronym für Walter Lang, Sven Faller und Gerwin Eisenhauer ist. Ein wenig auf den Spuren von Medeski, Martin & Wood (die übrigens mit "Note Bleu" kürzlich ein Best-of-Album ihrer Blue-Note-Jahre, also seit 1998, vorgelegt haben), transponieren die drei deutschen Musiker auf "Elf" (Enja/Edel) einige Jazz-und Bossa-Nova-Klassiker sowie gleich zwei Nummern von Aphex Twin in eine Art "Drum 'n' Bass 'n' Piano", der sich im Gegensatz zu The Bad Plus ab und an auch elektronischer Hilfsmittel bedient. Clubmusik, auch - aber nicht nur - für Jazzclubs.

Klaus Taschwer in FALTER 28/2006



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