Mozart - Das Gesamtwerk

Wolfgang Amadeus Mozart


Leck mich im Arsch

Halbzeit im Mozartjahr, das uns bislang nicht wenige Kuriositäten vermarktungstechnischer Kreativität beschert hat. Zum Beispiel eine CD namens "Leck mich im Arsch" (Blumenbar), womit offenbar ein besonders witziger Kommentar zum Mozartjahr abgegeben werden soll. Im begleitenden "Compendium" finden sich jede Menge mal mehr, mal weniger interessanter Listen zum Thema (Mozart-Filme, Mozart-Vergleiche, Mozart-Gerüchte sowie zwei verzichtbare Kurzgeschichten von Anne Zielke und Wolf Wondratschek; auf der CD selbst singen die Salzburger Comedian Harmonists das titelgebende Stück.

Der Kanon "Leck mich im Arsch", KV 231 (nicht zu verwechseln mit "Leck mir den Arsch", KV 233, und ursprünglich schamhaft als "Lasst uns froh sein" veröffentlicht) ist wegen des reizvollen Kontrasts zwischen Mozarts Text und dem pseudosakralen Tonfall der Musik sicher hörenswert, aber keinesfalls eine "Wiederentdeckung", wie auf der CD behauptet. Natürlich findet sich das Stück auch auf "Mozart - Das Gesamtwerk" (Brilliant/Gramola), einer Box mit 170 CDs (plus CD-Rom mit Einführungstexten und Libretti), die für rund 85 Euro zwar nicht alle, aber immerhin alle vollendeten Werke Mozarts (sowie das "Requiem") versammelt. Und das in durchwegs guten, teils sogar sehr guten und meist der historischen Aufführungspraxis verpflichteten Einspielungen u.a. von Christiane Oelze und Christoph Prégardien, András Schiff und Zoltán Kocsis, Ton Koopman und Charles Mackerras, der Staatskapelle Dresden und dem Concertgebouw Orkest. Die perfekte Ergänzung zu dieser Box stellt die CD "Vollendet im Unvollendeten?" (ORF) dar. Ohne Anspruch auf Vollständigkeit hat Ö1-Redakteur Johannes Leopold Mayer dafür 38 Mozart-Fragmente zusammengestellt, darunter Quartett-und Orchestersätze, Lieder und Arien oder ein gerade mal viertaktiger "Kleiner Marsch", interpretiert u.a. vom RSO Wien, dem Webern-Kammerchor oder Ildikó Raimondi. Ergänzt wird das Programm durch Gespräche mit den Mozart-Experten Gernot Gruber und Christoph Großpietsch.

Carsten Fastner in FALTER 27/2006



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