Schreiben Gegen Den Krieg

Haydn Trio Eisenstadt/Hilz, Bachmann//Froom/Deutsch/+


Unklassische Lieder

Und flichtst du sie in einen Zopf, man kennt sie nicht fürwahr": So eng wie ihr "nussbraun Haar" sind auch die Stimmen der zwillingsgleichen "Schwestern" aus Johannes Brahms' Lied kunstvoll miteinander verwoben - bis am Ende klar wird, dass beide denselben Mann lieben und sich stichelnde Dissonanzen in die zärtliche Harmonie drängen.

Die klaren, an der Originalklangpraxis geschulten und wunderbar miteinander verschmelzenden Stimmen von Doerthe Maria Sandmann (Sopran) und Lydia Vierlinger (Alt) scheinen wie geschaffen für das Brahms-Raritätenprogramm, dass die beiden mit Pianist Russell Ryan zusammengestellt haben: Neben einigen Volksliedbearbeitungen und (eher schlichten) Arrangements Händel'scher Arien bietet "Die Boten der Liebe" (Amadeo/Universal) vor allem seltene Duette. Ein rundum gelungener Ausflug in einen wenig beachteten Randbereich des klassisch-romantischen Lieds. Auf der Suche nach dem Ungewöhnlichen waren Cellist Friedrich Kleinhapl und Pianist Andreas Woyke etwas verwegener. Auf "Johannes Brahms: Sonatas and Songs" (Ars Produktion) haben sie ihre pointierte Interpretation der beiden Cellosonaten mit Transkriptionen einiger Lieder ergänzt. Von wem diese Arrangements stammen, wird allerdings verschwiegen (vom Komponisten selbst sind sie jedenfalls nicht). Musikalisch funktioniert die Kombination trotzdem, Brahms selbst hat seine Musik ja nicht ungern uminstrumentiert, und überhaupt waren "Lieder ohne Worte" seinerzeit sehr beliebt.Das könnte man von heutigen Komponisten nicht mehr behaupten. Seit Luigi Nonos Streichquartett "Fragmente - Stille, An Diotima" (1979) wird allenfalls ein stumm bleibendes Gedicht in die Partitur eingeschrieben. Ähnlich sind auch Herbert Lauermann, Bernd Richard Deutsch, David Froom und Jeffrey Mumford mit dem Auftrag des Haydn Trio Eisenstadt umgegangen, für "Bachmann vertont" (Capriccio/Gramola) Musik auf Texte der Dichterin, die demnächst 80 Jahre alt geworden wäre, zu komponieren: Ihre Arbeiten sind von den Gedichten inspiriert, aber rein instrumental. Einzig Norbert Sterk bedient sich in seiner fesselnden Vertonung von Bachmanns "Hôtel de la Paix" des flexiblen Baritons von Christian Hilz und lässt Geige und Cello vor schlichtem Klavierhintergrund den vokalen Dehnungen und Überblendungen des Textes nachspüren. Von einem klassischen Lied ist aber auch diese fragile Musik weit entfernt.

Carsten Fastner in FALTER 24/2006



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