Morph The Cat

Donald Fagen


Warum legt der Mann seine beachtliche Oberlippe, über der jetzt ein messerscharfer Dreitageschnurrbart schwebt, immer in so verächtliche Wellen, als würde es gleich Ohrfeigen regnen? Der 58-jährige Donald Fagen, Hälfte der tief im vierten Lebensjahrzehnt stehenden Band Steely Dan, könnte sich eigentlich zurücklehnen und das passende Getränk zu seiner Musik nehmen - trockene Martinis. Stattdessen hat er nach 13 Jahren ("Kamakirad") wieder ein Soloalbum eingespielt. Die gute Nachricht: Der Titelsong, der da über einen gnadenlos effektiven und satt produzierten Groove in Schichtbauweise errichtet wird und immerhin 13 Leute beschäftigt, ohne dass es je überladen klänge, ist vintage Fagan - ein cooler Feger, der an Steely-Dan-Zeiten vor dem letzten, missglückten Album ("Everything Must Go", 2003) anknüpft. Die schlechte Nachricht: Den Rest kann man eigentlich vergessen. Mit 53 Minuten reizt "Morph the Cat" (Warner) die (leider) CD-üblichen Längen keineswegs aus, und doch wird einem die Zeit schnell lang: Zu gleichförmig schmiert sich die ewig gleiche transpirationsfreie Funkiness und deren fragwürdige Koketterie mit Gebrauchsmusik für die Business-Class-Lounge über das Album, das auch vor Ausflügen in Richtung ranziger Jazzpop-Ballade nicht zurückschreckt und am Schluss noch zur Reprise des Openers greift - wohl wissend, dass man den Hörer besser noch mal an "Morph the Cat" erinnert.

Klaus Nüchtern in FALTER 14/2006



ANZEIGE


FALTER abonnieren
×