On My Way To You-The Music Of Michel Legrand

Rigmor Gustafsson


Nordische Sirenen

Das skandinavische Jazzwunder ist nicht zuletzt auch eines der weiblichen Stimmen. Neben den auch hierzulande geschätzten Gesangskünsten einer Rebekka Bakken, Silje Nergaard oder Viktoria Tolstoy gibt es noch eine ganze Reihe von weiteren Singer/ Songwriterinnen aus dem hohen Norden, die ebenfalls das fruchtbare Feld zwischen Jazz für Anfänger und Pop für Fortgeschrittene beackern.

Noch am ehesten dem Jazzgenre verpflichtet ist Rigmor Gustafsson, schließlich hat sie auch eine Ausbildung bei Sheila Jordan in den USA hinter sich. Auf "On My Way to You" (ACT/edel) singt und swingt sich die Schwedin solide durch Standards von Michel Legrand - elegant phrasierend und klar artikulierend, aber auch nicht wirklich umwerfend. Dieses Attribut passt schon eher auf die Norwegerin Solveig Slettahjell, die wiederum bei ihrer Kollegin Sidsel Endresen an der Jazzakademie in Oslo studiert hat. Slettahjells Band heißt nicht umsonst Slow Motion Quartett, mit dem zusammen sie auf "Pixiedust" (ACT/edel) in raffiniert entschleunigten Arrangements inklusive interessanter Störgeräusche vor allem Neukompositionen, aber auch Standards wie "When You Wish Upon a Star" oder "Have a Little Faith in Me" originelle Facetten abgewinnt. Downtempo at its very best! Ausschließlich Eigenes und noch dazu in ihrer Muttersprache singt Kari Bremnes, die grande (et belle!) dame des norwegischen Singersongwritertums, auf "Over en by", was übrigens nicht "Aus und vorbei", sondern "Über einer Stadt" heißt (Strange Ways). Die mittlerweile fünfzigjährige Künstlerin von den Lofoten, einer Inselgruppe fast am Polarkreis, lebt zwar die meiste Zeit in Oslo; in ihrem unterkühlten Timbre, der ätherischen Begleitkulisse und den dunkelgrauen Texten klingt der hohe Norden aber ziemlich klar und transparent durch - schließlich wurde Bremnes' Cool Pop in den legendären Rainbow-Studios in Oslo aufgenommen. Auch nicht gerade eine Tochter der ausgelassenen Fröhlichkeit ist ihre Landsfrau Torun Eriksen, obwohl der Opener von "Prayers and Observations" (Universal) "Joy" heißt. Wie schon auf ihrem tollen Debüt "Glittercard" vor zwei Jahren beeindruckt Eriksen mit einem organischen Mix aus Jazz-und Popelementen, vor allem aber einer makellosen, geheimnisvoll schwermütigen Stimme. Und immerhin: Der anrührende "Song of Sadness" stimmt, obwohl er einem bei der Tsunamikatastrophe umgekommenen Mitmusiker gewidmet ist, alles andere als traurig.

in FALTER 12/2006



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