Interaktionen I

Peter Brandlmayr


Fröhliche Wissenschaft

Grenzgänger Peter Brandlmayr demonstriert beim Generator im Konzerthaus überraschende "Interaktionen" zwischen Forschung und Kunst.

Die Frage, was er da eigentlich macht, hört Peter Brandlmayr öfter. Er ist Performancekünstler, Geologe, Musiker, Fotograf, Bastler und Betreiber eines mysteriösen Instituts für Wissenschaft und Forschung - alles auf einmal. "Ich werde auch immer ganz konfus", sagt Brandlmayr lachend, der im Gespräch nicht annähernd so hermetisch rüberkommt wie seine Website www.iwf.at.

Ganz am Anfang waren die Musik und ein Bandprojekt mit seinem Bruder Martin, der heute als Mitglied des Trios Radian bekannt ist. "Dann hatte ich genug von der Musik und habe nach meinem Geologiestudium eine Fotografenausbildung gemacht. Mir ist aufgefallen: Wenn man von der Uni kommt und auf die Grafische geht, ist man gleich der Herr Magister. Diese Vorschusslorbeeren haben mich gestört."

Also begann Brandlmayr in einem Keller, Vorträge zu halten. Keine gewöhnlichen, sondern solche, in denen er munter irgendetwas behauptete. "Mich hat interessiert, welche Autorität man der Wissenschaft gibt, was da für Bilder dranhängen." Dieses Spiel verfolgt er mit seinem in eben jenem Keller in der Westbahnstraße seit 1998 betriebenen Institut weiter, jedoch mit immer ernsthafteren Fragestellungen: "Was ich mache, ist keine Persiflage."

Brandlmayrs Kollege Prof. Krylov, auf den er sich beruft, mag eine fiktionale Schöpfung sein, das Institut für Wissenschaft und Forschung aber gibt es wirklich. Es wurde vom universitären Betrieb zwar bislang kaum wahrgenommen und schon gar nicht mit Förderungen bedacht ("Jeder hat sich für nicht zuständig erklärt, und das verstehe ich irgendwie auch"), aber es hat auch im Sommersemester 2006 wieder Kurse anzubieten zu spannenden Fragen wie: "Café Revers. Die Umkehrbrille in Theorie und Praxis".

Auf der anderen Seite stehen Kunst, Grafik und auch die Musik, die für Brandlmayr durch die Beschäftigung mit Super-8-Projektoren wieder interessant wurde. Er verwendet diese als Klangerzeuger und generiert aus ihnen Rauschen und Knarzen, wenn er nicht gerade das selbstgebaute Klonwesen Adam zum Thema Ursprung befragt, das ihn in seiner aktuellen Arbeit "Interaktionen" beschäftigt hat.

Hier grundlegende theoretische Fragen, dort Performances: Brandlmayr versucht, Wissenschaft und Kunst zusammenzudenken. Allerdings: "Ich merke immer mehr, dass es zwei Ebenen sind, die in sich einer unterschiedlichen Logik folgen. Aber auch die Wissenschaft hat eine Ästhetik. Wenn jemand eine Formel aufstellt, arbeitet er auch mit dem Begriff ,schön'."

Damit das Spiel des Wissensdurstigen, der viel wissenschaftliche Basisliteratur etwa zur Physik gelesen hat ("Aber ich verstehe vieles nicht"), keine autistische Angelegenheit wird, stellt er seine Forschungsergebnisse gern auch außerhalb des eigenen Instituts vor. Im Rahmen der Konzerthaus-Experimentalschiene Generator gestaltet er nun mit realen und imaginären Mitstreitern einen dreitägigen Zyklus zum aktuellen Projekt "Interaktionen". Was dürfen sich die Besucher von den Performances (mit Dieb 13, Billy Roisz, Werner Möbius und Marc 9) und den Lectures (mit Maurizio Nardo, Maren Hoffmeister und Adam) erwarten? "Man soll sich Fragen stellen: Was macht das mit mir? Wird mir Wissenschaft geboten oder Kunst? Das wäre schon eine gute Resonanz."

Sebastian Fasthuber in FALTER 11/2006



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