REFLECTION

Grimaud/salonen/sd, Schumann/brahms


Schumann & Co

Es ist ein sehr eigener Stil, in dem Hélène Grimaud mittlerweile ihre Platten zu regelrechten Konzeptalben gestaltet. "Reflection" (DGG/Universal), ihre jüngste CD, ist - rechtzeitig zu dessen 150. Todestag (29.7.) - Robert Schumann gewidmet und enthält auch Musik von Clara Schumann und dem gemeinsamen Freund Johannes Brahms - was angesichts der engen biografischen Bezüge zwischen diesen drei Komponisten nicht so außergewöhnlich wäre, würde die französische Pianistin dabei nicht auch noch die unterschiedlichsten Besetzungen mischen: Zu Roberts von Clara uraufgeführtem Klavierkonzert (mit der Staatskapelle Dresden und Esa-Pekka Salonen) gesellt sie passend drei intime, unter beider Namen veröffentlichte Lieder von Clara (mit der Mezzosopranistin Anne Sofie von Otter) und die leidenschaftlich zerrissene 1. Cello-Sonate (mit Truls Mork) sowie zwei Rhapsodien für Klavier des von Robert hoch geschätzten und Clara unglücklich verehrenden Brahms.

Etwas eigenartig wirkt dann allerdings der apodiktische Stil, in dem Grimaud mit einem Einführungstext den programmatischen Bogen der CD umreißt. Dennoch treffen ihre romantischen, von Rilke inspirierten Gedanken zur Liebe ("Wir haben, wo wir lieben, ja nur dies: einander lassen ") sicher einen zentralen Punkt der intensiven Dreierbeziehung. Und weil Grimaud nicht gar so verklärt-versonnen spielt, wie sie auf den schicken Fotos im Begleitheft dreinschaut, gelingt ihr mit "Reflection" unterm Strich ein interessanter und eigenständiger Blick auf das musikalische Trio.

Die Schumanns und Brahms waren freilich nicht nur durch schwärmerische Zuneigung verbunden, sondern auch durch die Begeisterung für J.S. Bach. Auf Grimauds Album wird das mit Brahms' Cello-Sonate deutlich, die auf Themen aus der "Kunst der Fuge" basiert. Das Ensemble La Gaia Scienza konzentriert sich auf seinem Schumann-Konzeptalbum "Für meine Clara" (Winter & Winter/ edel) sogar ganz auf den Bach-Bezug, allerdings nur mit Stücken von Robert. Dessen (dreihändig realisierte) "Sechs Stücke in kanonischer Form", die für einen die Möglichkeiten der Orgel imitierenden Pedalflügel entstanden, werden mit dem Klavierquartett, op. 44, kombiniert, das stark vom gemeinsamen Studium der Bach'schen Kontrapunktik geprägt ist. Wie gewohnt spielen die Italiener auf historischen Instrumenten und verleihen ihrer Hommage an Schumann und Co damit den Charme hausmusikalischer Intimität.

Carsten Fastner in FALTER 11/2006



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