Die Betrachtung des Sterns

Clara Frühstück


Jungpianisten

Die Pianistin Clara Frühstück hat schon einen tollen Namen, jetzt will sie ihn aber auch bekannt machen. Die Burgenländerin ist gerade 24 geworden, steckt mitten in der klassischen Jungmusikerinnenlaufbahn mit ein paar Wettbewerbsteilnahmen und Provinzauftritten - und hat soeben im Eigenverlag ihre erste Platte herausgebracht. "Die Betrachtung des Sterns" ( www.clarafruehstueck.com) heißt das liebevoll gestaltete Album nach einem Stück von Olivier Messiaen (aus den "Vingts regards "), zu dem sie Bachs Chromatische Fantasie und Fuge d-moll, Beethovens "Les Adieux"-Sonate, Brahms' Klavierstücke, op. 118, Liszts 3. Konzertetüde und Auszüge aus dem Zyklus "Klänge und Farben" des unlängst verstorbenen burgenländischen Komponisten Jenö Takács kombiniert.

Eine ebenso sympathische wie stimmige Zusammenstellung also, mit der es Frühstück gelingt, ihre stilistische Breite vom Barock bis zur Gegenwart unter Beweis zu stellen. Nicht ganz so geglückt finden muss man ihren Versuch, mit dem Arrangement eines Songs der Popgruppe Garish ("Tänzer") die Liebe zur Vielfalt noch stärker zu betonen, als sie es mit dem ungewöhnlichen Programm sowie im Begleittext ohnehin schon dokumentiert hat. Ihr um vier Jahre älterer Wiener Kollege Matthias Soucek legt sein Debütalbum weit konventioneller an. Auf "P.i.a.n.o" (Gramola) präsentiert er sich mit dem 3. Impromptu (D 935), der Sonate D-Dur (D 850) und den drei Klavierstücken (D 946) von Franz Schubert als kraftvoller und emotionaler Pianist. In seiner klassisch-romantischen Interpretation geht zwar nie das Sentiment, gelegentlich aber das Temperament mit ihm durch, was zu nicht immer ganz schlüssigen Tempi führt. Diese oft gehörten Klassiker einzuspielen, beweist jedenfalls Mut und wohl auch entsprechendes Selbstbewusstsein. Auch die niederösterreichische Pianistin Isabel Ettenauer hat gerade ihr Plattendebüt veröffentlicht. Ganz unbekannt ist die 34-Jährige dank ihrer Spezialisierung auf Spielzeugklaviere freilich nicht mehr, und auch auf "The Joy of Toy" ( www.isabelettenauer.com) spielt sie ausschließlich für sie und ihre Toy Pianos geschriebene Miniaturen von Karlheinz Essl, Vanessa Lann, Rob Smith, Geoff Hannan, Lydia Martin, Stephen Montague, Tom Johnson, Joe Cutler und Henry Brant. Virtuosität kann sie auf ihren höchstens drei Oktaven umfassenden Instrumenten zwar kaum demonstrieren, aber wie es ihr gelingt, stilistische Unterschiede deutlich zu machen, beweist doch ungewöhnliche Liebe zum Detail.

Carsten Fastner in FALTER 8/2006



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