Big Apple Rappin

Diverse


Downtown 81

Als popkultureller Impulsgeber hat New York in den letzten beiden Dekaden keine wirklich große Rolle gespielt. Ende der Siebziger, Anfang der Achtziger war das entschieden anders: Zwischen den Anfängen des HipHop, der Kunsthochschulversion von Disco und dem "No Wave" genannten lokalen Gebräu aus Kreativität, Lärm und Avantgarde blühten im Big Apple diverse mehr oder weniger interagierende Szenen. Jean-Michel Basquiat hat dieses künstlerisch bis heute nachwirkende Treiben in "Downtown 81" stimmungsvoll eingefangen; leichter greifbar als dieser Film ist aber die Musik jener Tage. "New York Noise Vol. 2" (Soul Jazz/Hoanzl) dokumentiert etwa in 16 bei großer stilistischer Variationsbreite durchwegs interessanten Stücken die produktive Schnittmenge aus experimentierfreudigem Punk und abenteuerlustigen Danceentwürfen, wie sie im New York der Jahre 1977 bis 1984 anzutreffen war. Setzte der erste Teil 2003 noch vorwiegend auf einschlägig bekannte Namen, so stehen diesmal - von einem überraschend unkrachigen frühen Sonic-Youth-Stück abgesehen - echte Raritäten im Zentrum. Oder haben Sie schon einmal von den Del-Byzantines gehört - obwohl der Band ein gewisser Jim Jarmusch angehörte? Den Kinderjahren des HipHop wiederum wird mit der durch ein ebenso informatives wie liebevoll gestaltetes 64-Seiten-Booklet ergänzten Doppel-CD "Big Apple Rappin'" (Soul Jazz/ Hoanzl) ein großartiges Denkmal errichtet. Vergleichsweise bescheidenen Produktionsmitteln stand damals eine unglaubliche Kreativität im Ausdruck gegenüber; die hier versammelten Old-School-Raritäten - nicht wenige davon veritable Partyhits - überzeugen aber nicht nur durch ihren Charme und die noch gegebene Unschuld diverser aufschneiderischer Posen, sondern vor allem auch durch ihre zeitlose Größe. Ebenfalls zwei CDs stark, vergegenwärtigt "The Celluloid Years" (Collision/Hoanzl) die Arbeit des New Yorker Celluloid-Labels der Jahre 1982 bis 1986. Unter der künstlerischen Aufsicht des Bassisten und Produzenten Bill Laswell etablierte sich da zwischen synthetischen Beats, Scratchorgien und Vocoderklängen eine elektrolastige Spielart des HipHop. Die Auswahl rarer Maxiversionen reicht von der Kooperation des Graffiti-Künstlers Futura 2000 mit der Punkband The Clash über Manu Dibango, Fab Five Freddy und D.St bis zum Mittachtziger-Crossover von Time Zone feat. Afrika Bambaataa & Johnny Lydon.

Gerhard Stöger in FALTER 7/2006



ANZEIGE


FALTER abonnieren
×