XY Band

Lorenz Raab


Heiße Preisträger

Das neue Jahr fängt ja schon einmal gut an. Zumindest musikalisch. Zum Beispiel mit der neuen Platte von Martin Lubenov, der Anfang Dezember gerade erst mit dem österreichischen World Music Award 2005 ausgezeichnet wurde. Jazzta Prasta heißt seine neue, preisgekrönte Formation, mit der sich der aus Bulgarien gebürtige Akkordeonist ein Stück weiter in Richtung Jazz bewegt. Wie bei seinem Dui-Roma-Projekt bildet auch auf "Veselina" (Connecting Cultures) die Romamusik des Balkans das rhythmisch hochkomplexe Fundament der Band. Nach den gemeinsamen Expositionen der Themen, die alles andere als unkompliziert sind, gibt es dann jede Menge individuellen Freiraum für virtuose Improvisationen, die aber nie zum bloßen Selbstzweck geraten. So wie Lubenov ist auch Lorenz Raab noch keine dreißig und kann schon auf eine beeindruckende Karriere und zahlreiche Auszeichnungen verweisen. Den Hans-Koller-Preis erhielt der oberösterreichische Trompeter gleich zweimal (2003 in der Publikumswertung, 2004 als Newcomer des Jahres). Dazu kommen diverse klassische Ehrungen, schließlich ist er auch Solotrompeter der Wiener Volksoper. Sein neues Ding nennt sich XY Band (Universal) und ist eine großartige Sache, die in etwa so klingt, wie wenn Miles Davis selig einen auf Drum 'n' Bass gemacht hätte: Oliver Steger (vom Café Drechsler) und Matthias Pichler sorgen im Duo für die melodiösen (Kontra-)Bassfiguren, Herbert Pirker für die ausgefuchsten Beats, und Ex-Oberknödel Christoph Dienz steuert auf seiner E-Zither aparte Saitenklänge bei. Über diesen dahinschwebenden Rhythmusteppich legt Lorenz Raab seine wunderbaren Trompetenlinien und bringt die Sache endgültig zum Abheben. Grandios! Die türkisch-österreichische Sängerin Fatima Spar und ihre jazzigen Freedom Fries wiederum sind 2004 mit dem World-Music-Förderpreis prämiert worden. Ihr Debutalbum "Zirzop" (Geco/Hoanzl) wird zwar erst Anfang Februar erscheinen, aber so viel darf jetzt schon verraten werden: Die Platte hält, was die mitreißenden Liveauftritte versprochen haben, nämlich eine hemmungslos groovende Mischkulanz aus Swing, Balkanbeats und Orientpop. Wer sich das Warten auf die CD verkürzen will, hat dazu zwei gute Gelegenheiten: Am 21.1. spielen Spar & Co am Ball der Sargfabrik und bereits am 13.1. im Aux Gazelles beim julianischen Neujahrsfest. Damit das neue Jahr auch nach julianischem Kalender gut beginnt.

in FALTER 1-2/2006



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