Confessions On A Dance Floor

Madonna


Back to Bumm-Bumm

Madonna bittet noch einmal zum Tanz, hinterlässt mit dem trashigen Album "Confessions on a Dancefloor" aber einen schalen Nachgeschmack.

Ich will, dass die Leute von ihren Sitzen aufspringen, denn auf meinem Album geht es darum, nonstop eine gute Zeit zu haben." Ein Satz, der ein bisschen Angst macht. Und er stammt leider nicht von Gerry Friedle, der notorischen Stimmungskanone DJ Ötzi, sondern aus dem Mund von Madonna Louise Ciccone, die der Welt seit über zwanzig Jahren als mehr oder weniger beständig aufregendster Popsuperstar gilt. Bisher zu Recht.

Mit dem Eingangszitat wäre über den wummernden Generalangriff auf Großraumdisco-Tanzflächen, den das neue Madonna-Album "Confessions on a Dancefloor" unternimmt, im Prinzip auch schon wieder fast alles gesagt - wenn jemand anderer als Madonna dahinterstünde. Weil die US-amerikanische Sängerin aber in den vergangenen zwanzig Jahren von enthusiastischen Kritikern unter anderem als Mutter einer geschäftstüchtigen Form von Feminismus ("Material Girl") oder als Queen der Postmoderne gefeiert wurde, die dem Rest der Popwelt stets einen Schritt voraus ist, und ergo die Erwartungshaltung an das jeweils jüngste Madonna-Album schwindelerregende Höhen erreicht, soll man ruhig genauer hinschauen und -hören. Auch wenn der einst als Tänzerin gestartete Popstar Hipness- oder Innovationsansprüche im Jahr 2005 nicht mehr befriedigen will, müssen das Aufwärmen des alten Abba-Hits "Gimme! Gimme! Gimme!" als auch nicht mehr ganz zeitgemäße Dancefloor-Suppe "Hung Up" und eine mäßig inspirierte Disco-Kostümierung samt Silberstiefeln und "Drei Engel für Charlie"-Frisur als jüngste optische Neuerfindung gerade bei einer Stilikone als Kapitulation vor dem heute herrschenden Entertainment-Zeitgeist und seinen echt kultigen TV-Retrochartshows verstanden werden.

Orientierung in Trend- und Modefragen bietet "Confessions on a Dancefloor" also nur sehr bedingt. Spaß haben jedoch lässt sich mit den zwölf nahtlos ineinander übergehenden Songs aber schon. Produzent Stuart Price (Zoot Woman) führt Madonna nämlich zurück an ihren Ursprungsort - in die Disco; allerdings in eine, die weniger die Bedürfnisse von Popauskennern als die nach effektivem Bumm-Bumm bedient. Denn soundtechnisch gestaltet sich das Album als eine große akustische Reizüberflutung. Es lässt die letzten zehn Jahre Dance-Mainstream zwischen französischem Filterhouse und Electroclash noch einmal Revue passieren und denkt gleich noch die historischen Vorläufer aus den Siebziger- und Achtzigerjahren mit. Das alles kommt etwas übereifrig daher, und nach einem kurzen, heftigen Flash lässt einem "Confessions on a Dancefloor" schnell kalt, scheitert an seiner Eindimensionalität.

Genau genommen müsste dieses Album einfach nur "Dancefloor" heißen, denn die angekündigten "Confessions" bleiben aus. Dazu hätte es im Vorfeld schon einer Sünde bedurft. Stattdessen gibt es in den Texten Gemeinplätze über New York als pulsierende Metropole und Durchhalteparolen zu hören: "This is how I am / Like it or not / You can love me or leave me / Cause I'm never gonna stop." Es ist nicht ganz klar, ob man sich darüber wirklich freuen soll. Zum ersten Mal in ihrer Karriere ist Madonna ein bisschen peinlich.

Sebastian Fasthuber in FALTER 46/2005



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