No One Is Coming to Help You

Nate Denver


Hols der Teufel

Eine Split-Single mit zwei 5" färbigen Vinylplatten, die in einer limitierten Auflage von 612 Stück erschienen ist. Das bunte und scheinbar niedliche Cover, das von dem belgischen Grafikkünstler Denis Tyfus gestaltet wurde, sticht in jedem Plattenladen ins Auge: Ein Wolf, Zwerge, Apfelbäume und undefinierbare Lebewesen verleiten einen anzunehmen, hier handle es sich um eine Märchen-CD. Ist die erste Platte, auf der Total Shutdown ihr Unwesen treiben, erstmal aufgelegt, wird man schnell eines Besseren belehrt: Feedback, tumultartiges Gekreische, atonales Klaviertastengehämmer - ein Noise-Boogie der Sonderklasse. Auf der zweiten 5" dürfen wir XBXRX, ein Side-Projekt von Walter Weasel, genießen. Im Vergleich zu Total Shutdown darf man XBXRX sogar als poppig bezeichnen: High-Speed-Core mit schrillen Vocals und einer Bontempi-Orgel im Hintergrund, die aus dem letzten Loch pfeift. Absolut durchgeknallt!

Eine Schallplatte, deren Oberfläche und deren dickes Kartoncover anrüchige Grafiken von Hotel-Pupik-Macher Heimo Wallner zieren. Auffälliges Detail: Wer das Cover öffnen will, muss den Papierpenis einer rachitischen Gestalt aus einer Lasche ziehen, die mit einem offenem Menschenmaul verziert ist. G'schmackig! Nate Denver's Sound entspricht dem pathologischen Zustand des Covers: sehr krank. Death-Metal-Gegröle wechselt sich mit irrem Elfengesang und Lagerfeuerklampfengeklimper ab. Auf dem Track "See You in Hell" wird manisch zu Hiphop-Samples der Höllengang gefeiert: "Yeah, I'll rot in hell!" Das ganze Bild erhält man aber erst, wenn man über Nate Denver's Habitus bei Livekonzerten Bescheid weiß: In schwarzer Kutte gekleidet und im Gesicht fett mit Kajal und weißer Schminke beschmiert drischt Nate auf eine Gitarre ein, auf der eine selbst-gebastelte Metallsichel montiert ist, die den Eindruck erwecken soll, bei der Gitarre handle es sich um eine Hellebarde. Wer diese Platte hört, den kommt der Teufel holen.

Alle auf Rock is Hell erschienenen Tonträger sind über die Labelhomepage www.rockishell.com zu bestellen.

Christoph Marek in FALTER 45/2005



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