Thelonius Monk Quartet with John Coltrane at...

Thelonious Monk, John Coltrane


Friday, the 29th

Surprise, surprise: Mit fast 50 Jahren Verspätung ist ein Livemitschnitt des legendären Quartetts mit Thelonious Monk und John Coltrane aufgetaucht.

Üben, üben, üben. Man muss immer üben. Auch für ein Gipfeltreffen musikalischer Giganten. Als der Bebop-Hohepriester Thelonious Monk im Juli 1957 im Five Spot Café zum ersten Mal gemeinsam mit dem (späteren) Free-Jazz-Papst John Coltrane auftrat, soll es zunächst gar nicht so toll geklungen haben. Steve Lacy, Sopransaxofonist und einer der genialsten Deuter des Monk'schen Schaffens, erinnerte sich in einem Radiointerview: "Es begann ... sehr schwerfällig, sehr obskur, sehr ungeschickt. Und dann wurde es, jede Nacht, etwas relaxter."

Ein knappes halbes Jahr lang traten Monk und Coltrane im Five Spot in Quartettbesetzung auf. Aufnahmen davon gab es keine. Auch in den Riverside Studios hatte das Quartett lediglich drei - allerdings hochkarätig interpretierte - Monk-Titel eingespielt. 1993 erschien dann auf Blue Note das Album "Live at the Five Spot" - wobei die von Coltranes Frau mit dem Kassettenrekorder mitgeschnittenen Aufnahmen dermaßen räudig sind, dass der Schmerz über das, was nicht zu hören ist, die Freude über die aufgenommenen Klangabfälle überwiegt.

Aber jetzt! Im Februar dieses Jahres hat der hochlöbliche Larry Apfelbaum, Jazzspezialist der Library of Congress, unter den circa 2,5 Millionen Aufnahmen ein Azetat-Band mit der handgeschriebenen Notiz "T. Monk" gefunden und beim Abspielen gehöriges Herzklopfen bekommen: knapp fünfzig Minuten Livemitschnitt von zwei Auftritten des Quartetts (einer am Abend, einer um Mitternacht) - aufgenommen allerdings nicht im Five Spot Café, sondern in der Carnegie Hall, wo am Freitag, dem 29. November 1957, ein Benefizkonzert über die Bühne ging, an dem neben Monk & Coltrane auch noch Billie Holiday, Dizzy Gillespie, Ray Charles, Chet Baker und Sonny Rollins auftraten. Was für ein Abend!

Die Aufnahmen aus der Carnegie Hall sind - im Übrigen auch klangtechnisch - hervorragend. Steigt Coltrane nach Monks Solo-Intro in "Monk's Mood" noch ganz traumverloren und wie von einem anderen Planeten kommend ein, wodurch er eine ganz andere Stimmung etabliert, so bietet schon "Evidence" ein veritables Gegenprogramm, währenddessen es aus dem Saxofon nur so heraussprudelt. Überaus inspiriert auch das feurige Beckenspiel von Shadow Wilson auf der Abend-Einspielung von "Epistrophy"; die schräge Sohle, die Monk über Ahmed Abdul-Maliks walking bass zu "Sweet and Lovely" aufs Parkett legt; das Arrangement von "Blue Monk" (wo Coltrane die Melodie eine verminderte Terz tiefer spielt) oder der solistische Höhenflug, zu dem Coltrane ansetzt, bevor dann - eine schlimme Antiklimax - die Aufnahme von "Epistrophy" ausgeblendet wird und dieses grandiose Album zu Ende ist. Verglichen mit der apollinischen Gemessenheit der Riverside-Einspielungen einige Monate davor sind Monk und Trane hier nicht mehr primär Solisten, die vom jeweils anderen respektvoll begleitet werden, sondern echte Partner einer faszinierenden Klangrede. Aber sie haben in der Zwischenzeit ja auch geübt. Und Üben hilft.

Klaus Nüchtern in FALTER 45/2005



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