Epode

Valina


Austropoprock 05

Analog zum internationalen Pop zeigt sich auch die heimische Szene im Herbst enorm veröffentlichungsfreudig. Mit Polman Reisen stellt sich ein neues Duo vor, dessen Mitglieder in der lokalen Szene freilich keine Unbekannten sind: Thomas Jarmer rührt mit dem Poesiepop seiner Band garish ansonsten Teenagerherzen, Matthias Kertal produziert mit Mika flockigen Elektropop. Auf "Polman Reisen" (schoenwetter/edel) lassen die beiden songförmige Elektronik geschickt mit melancholischem Easy-Listening-Pop kollidieren. Jarmers Gesang polarisiert aber erneut durch selbstergriffene Bedeutungsschwere.

Letzteres ist dem Ersten Wiener Heimorgelorchester auf "Auto Play" (plag dich nicht/Hoanzl), seinem bislang gelungensten Werk, angenehm fremd. Musikalisch holen die vier LoFi-Synthiepopper mehr denn je aus ihren Billigsdorferorgeln heraus - originalgetreue New-Wave-Nachstellungen stehen neben beinahe zeitgemäßen Dancesounds -, textlich geht zwischen Dadaismus, Sprachpoesie und hintergründigem Geblödel ebenfalls einiges.

Wie Echophonic sind auch Valina alte Hasen der heimischen Gitarrenszene; stilistisch ist das Linzer Trio mit intensivem, an Bands wie Shellac und Fugazi geschultem Rock freilich ganz woanders zu Hause. Rannte die Band in frühen Tagen noch gerne mit dem Kopf gegen die Wand, überzeugt ihre EP "Epode" (54°40' or Fight!/Trost) jetzt durch eine Form von Intensität, die längst keine Kraftmeierei im Ausdruck mehr benötigt. Streicher dürfen dafür ebenso auftauchen wie ein freejazziges Getröte; in "81 Men Without History" beschränkt man sich gar auf akustische Gitarrenbegleitung. Nach zwei erfolgreichen US-Touren stellt "Epode" übrigens Valinas Debüt bei einem amerikanischen Label dar; ihr österreichisches Stammlabel Trost bringt das neue Material als formschöne Picture-Disc auch auf Vinyl heraus.

Gerhard Stöger in FALTER 42/2005



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