Haze and Family

Diverse


Strictly beats, strictly raps

In Graz hat eine kleine, aber feine HipHop-Community im Untergrund überlebt. Jetzt traut sie sich wieder an die Oberfläche.

Lange bevor es Spring und Elevate gab, die beiden Festivals für elektronische Musik und alles, was dazugehört, und lange bevor die Postgarage oder das p.p.c. in ihrer heutigen Form als Veranstaltungsorte existierten, gab es in Graz bereits eine lebendige HipHop-Szene. Um 1996 herum begannen lokale Musiker und DJs, mit HipHop im Grazer Nachtleben Aufmerksamkeit zu erregen. Als Austragungsorte der Jams und Battles - wo DJs oder Rapper gegeneinander antraten und das Publikum entscheiden musste, wer der Bessere war - dienten zunächst Lokale wie die Bronx oder der Wag's Club, später auch das Arcadium. Christian Mauser alias DJ Kreislauf produzierte damals als erster Mixtapes für diese Battles, Zaid Makari alias DJ Zaid organisierte viele der Partys.

Aber irgendwann fing das Ganze an, sich totzulaufen. "Auf den Jams legten immer die gleichen DJs auf, alles wurde 08/15 und der Eintritt war zu teuer. Graz war irgendwie überladen und gesplittet", erzählt MC Clickx, Mitbegründer des Grazer HipHop-Labels Mafia-Entatainment. Vermutlich war die Stadt einfach zu klein, um eine richtige Community entstehen zu lassen. "Es ist viel Potenzial da, und es kommen immer wieder neue Rapper und DJs dazu. Aber es ist schade, dass sie sich gegenseitig Steine in den Weg legen", sagt Zaid. Das Publikum hat letztendlich die Richtung vorgegeben und die Szene gespalten. Die einen interessierte der ursprüngliche HipHop, die anderen gingen auf "R'n'B-HipHop-Partys im MTV-Stil", erzählt "Frontal" Markus Summer, MC bei der Multikulti-Crew Another Bad Character. Jene, die sich zu den wirklichen Hip-Hoppern zählen, stoßen sich an dem Trend, "auf Gangster und Zuhälter zu machen, obwohl jeder weiß, dass das in Graz absoluter Unsinn ist".

Viele der Grazer Crews haben inzwischen Kontakte nach Deutschland und England geknüpft, vor Ort fehlt vor allem eine funktionierende Kommunikationsplattform, die es den Musikern erlauben würde, sich auch verstärkt auf professioneller Ebene auszutauschen. In diese Richtung geht der Verein Tiefparterre, ein Pool aus MCs, DJs und anderen Künstlern. Christoph Kammerlander a.k.a. DJ Dero, der schon seit 1997 HipHop auflegt, mit Größen wie Smith and Mighty zusammengearbeitet und zuletzt mit DJ Buzz von den Waxolutionists ein Battle-Album aufgenommen hat, sagt zum Konzept: "Die Idee hinter Tiefparterre ist, professionell zu arbeiten, wegzukommen von den Heimproduktionen und an die Öffentlichkeit zu treten." Überhaupt ist derzeit eine Wiederbelebung der kleinen HipHop-Szene angesagt. In den nächsten Wochen stehen eine ganze Reihe von Partys und Plattenreleases auf dem Programm. "Strictly beats, strictly raps", nickt DJ Kreislauf.

Mrijana Miljkovic in FALTER 42/2005



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