Napoli's Walls

Louis Sclavis


Neapolitanische Musik inspirierte den französischen Künstler Ernest Pignon-Ernest, seine großformatigen, voller (kunst)geschichtlicher Verweise steckenden Schwarzweißbilder ins Stadtbild von Neapel zu integrieren und so als eine Schnittstelle griechischer, römischer, christlicher Mythologie zu thematisieren. Von den Bildern ließ sich wiederum der Saxophonist und Klarinettist Louis Sclavis anregen, mit seinem unorthodox besetzten Quartett denselben Wurzeln mediterraner Kultur nachzugehen. Herausgekommen ist eine Art musikalisches Palimpsest, in dem verschiedene Schichten übereinander liegen: elektronisch generierte Texturen und akustische Gesangslinien, zeitgenössische Beats und archaisch anmutende Folklore, tänzerische Leichtfüßigkeit und kammermusikalische Improvisation, ornamentale Rockismen und hysterische Stimmakrobatik. Das geht ganz gut zusammen, leidet mitunter aber auch etwas unter der konzeptuellen Angestrengtheit dieser akustischen Recherche.

in FALTER 1-2/2004



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