SEX, Volume 2

Martin Amanshauser, Franzobel, Günther Freitag, Peter...


Halloween für Feinspitze

Die Edition Kürbis hat vor kurzem "Sex. Volume II" veröffentlicht.
Kürbis-Leitfigur Wolfgang Pollanz begibt sich nun mit einigen Autoren auf Lesetour und bringt erheiternde Schweinereien unters Volk.

Die vielseitige Edition Kürbis wird meist in einem Atemzug mit Wolfgang Pollanz genannt. Ein Umstand, der ihm eigentlich nicht ganz recht ist. "Es stellt die Arbeit meiner Kollegen zu Unrecht in den Schatten", sagt er. Eine Arbeit, die sich nicht nur mit Literatur und Musik beschäftigt, sondern auch mit Theater.

Zu Hause ist der Verein im verschlafenen Wies in der Weststeiermark und nennt dort eine Theaterbühne sein Eigen. 1989 stieß der dort beheimatete Literat Pollanz - der übrigens Gründungsmitglied des Literaturmagazins "Sterz" ist - zu Kürbis, anfangs ausschließlich eine Theatergruppe. Mit seiner Passion für Popproduktionen mit dem Charme des Abseitigen (Pumpkin Records) und Literatur für Verächter von Bestsellerlisten schaffte er es, der Edition eine conaisseurhafte Note zu verleihen. "Natürlich gehe ich mit meinen Projekten einer Liebhaberei nach. Andererseits erhalten wir dadurch ein überregionales Presseecho, das wiederum dem Verein dient", so Pollanz. Dieser bespielt dann sein Heimatdörfchen beispielsweise mit Komödien von Dario Fo, sicher eine Notwendigkeit in der Provinz.

Seine Brötchen verdient Pollanz als Hauptschullehrer in Wies. Eine Arbeit, die nur durch die Pflege seiner Steckenpferde erträglich wird. Dazu gehört das Thema Sex, humorvoll betrachtet und gleichzeitig bösartig unterwandert in der letzten Kürbis-Veröffentlichung "Sex. Volume II". Dem Aufruf, sich an diesem thematischen Alltime-Klassiker abzuarbeiten, folgten unter anderen die Autoren Franzobel, Martin Amanshauser oder Monika Wogrolly. "Ein Tabuthema ist höchstens noch die Onanie", meint Pollanz. Prinzipiell findet er, dass sowieso zu wenig Liebe gemacht wird, und hält es mit dem Spruch: "We are oversexed and underfucked." In seiner Jugend waren die Models eines Unterwäschemagazins - Pollanz ist Jahrgang '54 - noch ein richtiger Scharfmacher. Was Pollanz künstlerisch genau treibt, wissen die Dorfbewohner zwar nicht so wirklich, stolz ist man trotzdem auf ihn.

Das war nicht immer so. Als er in einem Artikel schrieb, "Wies liegt am Arsch der Welt", konnte er nur knapp der Verbannung aus der Ortschaft entgehen. Die Großstadt fehlt Pollanz nicht wirklich. Er beklagt aber den spärlichen künstlerisch ambitionierten Nachwuchs am Land. Darüber hinaus ist er mit der jungen Literaturszene unzufrieden: " Es ist alles sehr brav. Unsere Generation stellte prinzipiell alles infrage." Interessanten Nachwuchs findet er aber immer wieder in der alternativen heimischen Musikszene. Verschiedene Protagonisten dieser kreieren dann - für detailverliebte Kürbis-Kompilationen - Entwürfe zu einem großangelegten Generalthema. Auf den Werken "Heimat", "Liebesexxxamour" und "Hymnen" stehen Musiker wie Der Schwimmer, Aber das Leben lebt, Gelée Royale, Sir Tralala, Curd Duca, Roedelius oder Dr. Nachtstrom für eine wunderbar disparate stilistische Vielfalt.

Die nächsten Projekte stehen ebenfalls schon ins Haus: eine Zusammenstellung internationaler Ukulelen-Musik und die "Memoiren des Austrofred", einem österreichischen Freddy-Mercury-Trash-Impersonators.

Tiz Schaffer in FALTER 38/2005



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