Die Eisprinzessin schläft

Camilla Läckberg, Gisela Kosubek


Was einen Jugendkrimi von anderen Büchern des Genres unterscheidet, ist nicht so recht klar. Vielleicht wird ein bisschen weniger ordinär gesprochen (aber wirklich nur ein bisschen weniger), und sicher wird ein bisschen mehr erläutert, zum Beispiel die Arbeit der Polizei und anderer Behörden.
Mats Wahl verklärt in "Kill" das Leben von Jugendlichen in Schweden jedenfalls nicht zum Wohlfahrtsparadies. Denn zuerst wird Kommissar Fors überfallen und seiner Dienstwaffe beraubt, dann sterben drei Kinder bei einer Schießerei in der Schulmensa durch ebendiese Pistole, und obwohl die Polizei es nicht wahrhaben will, spricht alles für einen Schüler als Urheber des Massakers. Zum Drüberstreuen passiert fast gleichzeitig auch noch ein Bankraub.
Feinfühlig wie in vielen Krimis aus dem Norden schildert Wahl Ermittlung und Hintergründe von Opfern, Tätern und Polizisten. Trotz der relativ geradlinigen Aufklärung des Falles empfiehlt sich der Roman nicht nur für jugendliche Leser.

"Die Eisprinzessin schläft" von will kein Kinderkrimi sein, kommt aber doch etwas schlicht gestrickt daher. Als Kulisse für das Drama um einen vorgetäuschten Selbstmord (die Eisprinzessin) und einen als Mord getarnten Suizid hat die Autorin Camilla Läckberg ihren Heimatort, das schwedische Fischerdorf Fjällbacka, gewählt, wo zwei Todesfälle durch Gewalteinwirkung innerhalb kurzer Zeit doch eher ungewöhnlich sein dürften. Dafür brodelt es gewaltig unter der Oberfläche. Es scheint, als nähmen die Einwohner, allen voran der Geldadel, allerhand in Kauf, um den eigenen Ruf zu wahren. Den Leser, der den Fall jedenfalls schneller durchschaut als der ermittelnde Polizist Hedström und dessen schriftstellernde Freundin, überrascht es nicht, dass die Vergangenheit vertuscht werden soll. Trotz der gewieften Erzählung _ die Perspektiven wechseln ständig _ und überzeugender Schilderung des trostlosen Lebens an der schwedischen Küste hat der Roman einige Längen, und die Aufklärung wird durch zu viele Geheimnisse und angedeutete Vermutungen unnötig verzögert. Ein an sich stimmiger Krimi wird so um gut hundert Seiten zu lang.

Martin Lhotzky in FALTER 38/2005



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