Die Höhle des Gelben Hundes. Eine Reise in die Mongolei

Byambasuren Davaa, Lisa Reisch


Egal, ob man nun als mongolisches Nomadenkind auf die Welt gekommen ist oder als Mitglied der englischen Upperclass - die soeben zu Ende gegangenen Sommerferien gibt es für alle Schüler dieser Welt. Sie werden halt nur etwas anders verbracht. Die sechsjährige Nansaa zum Beispiel kehrt nach dem Ende des Unterrichtsjahrs aus der fernen Stadt zurück in die einsame Steppe, wo sie gemeinsam mit ihren Eltern auf die Tiere und ihre kleinen Geschwister aufpassen muss. Ihre Erlebnisse kann man sich in "Die Höhle des Gelben Hundes" zurzeit in den österreichischen Kinos ansehen - oder im gleichnamigen Buch nachlesen, dass die Regisseurin Byambasuren Davaa gemeinsam mit ihrer Regieassistentin Lisa Reisch verfasst hat. Dazwischen erzählt Davaa von ihrer eigenen Kindheit, den Umbrüchen in der mongolischen Gesellschaft, den Dreharbeiten, aber auch ihren Erfahrungen in Deutschland, wo sie seit 1999 lebt. Und ein paar schöne Zeilen aus mongolischen Gedichten sind auch eingefügt, wie zum Beispiel: "Die Nacht ist ein Licht, das Scham vor der Liebe hat." Das ergibt unter dem Strich ein ziemlich heterogenes Büchlein, dessen (Hoch-)Glanzstücke die rund um die Dreharbeiten entstandenen Fotos sind.

Nicht ganz so exotisch sind die Schulferien, die der 15-jährige Orvil Pym irgendwann in den 1930er-Jahren verbringt. Er hat einen stinkreichen Vater, der seine Söhne die Ferien in einem noblen Hotel nahe der Themse in Surrey einquartiert. In diesem eigenartig morbiden Milieu erlebt Orvil etliche kleinere und größere Abenteuer, macht allerlei mehr oder weniger seltsame Bekanntschaften und erlebt die in dem Alter üblichen Verwirrungen der Gefühle. Wie freilich der viel zu früh verstorbene Denton Welch (1915-1948) von diesen "Freuden der Jugend" erzählt - den Machtspielen der Geschwister, der erwachenden Sexualität, den heimlichen kleinen Perversionen, aber auch der erlebten Landschaft, der Architektur und den Interieurs - ist schlicht und einfach zauberhaft. Ein Buch zum Versinken wie in einem wohlig weichen Bett, aus dem man nicht mehr aufstehen mag.

Klaus Taschwer in FALTER 36/2005



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