Alles klappt nie. Weltraumroman

Martin Amanshauser


Leberkäse im Weltraum

Martin Amanshausers Roman "Alles klappt nie" beamt die österreichische Gegenwart ins Jahr 2020 und ist ziemlich lustig.

Martin Amanshauser ist bekannt dafür, sich schlimme Dinge für die Zukunft auszudenken. In seinem Roman "Nil" etwa, der im Jahr 2010 spielt, ist Vera Russwurm österreichische Bundespräsidentin. Das darf mittlerweile als unwahrscheinich gelten: Wenn Heinz Fischer seinen Job als "King of Swing"-Präsident der Zweiten Republik weiter so cool erledigt, wird ihm die Wiederwahl niemand streitig machen.

In seinem jüngsten Opus hat sich Amanshauser, Jahrgang 1968, noch was viel Ärgeres ausgedacht. Unter dem bezeichnenden Titel "Alles klappt nie" wirft er einen Blick ins Jahr 2020, und der Leser muss entsetzt feststellen, dass alles insofern beim Alten geblieben ist, als es so kam, wie es kommen musste: Magna-Chef Frank Stronach verdient jetzt seine Kohle damit, dass er vom All aus leuchtende Firmenlogos aufs Firmament projizieren lässt, Peter Westenthaler steht ihm noch immer treu zur Seite, Markus Rogan, der mittlerweile natürlich auch Gold geholt hat, ist noch immer der Liebling aller Schwiegermütter. Aber was, so werden sich viele bange fragen, was wurde eigentlich aus Franz Viehböck? Auch diese Frage lässt Amanshauser nicht unbeantwortet: Franz Viehböck fliegt wieder ins All!

Das ist insofern erstaunlich, als der ehemalige MIR-Kosmonaut auch schon seine sechzig Lenze auf dem Buckel hat und alles andere als in perfect shape ist. Wie es von einem Autor, dessen Romane Titel wie "Im Magen einer kranken Hyäne" oder "Erdnussbutter" tragen, nicht anders zu erwarten ist, dichtet Amanshauser seinem Astronauten exzessive Ess- und Trinkgewohnheiten an; entsprechend sind die Innereien - Leber, Lunge, Herz - einigermaßen in Mitleidenschaft gezogen. Dennoch sorgt Rogan als Leiter von "Magna Health" mit seinem Befund dafür, dass Viehböck seine 29-jährige Frau, das Exmodel Jenny Li, besuchen kann, die schon seit einem Monat auf der Magnastation im Orbit der Erde kreist. Eine nicht ganz unpikante Mission, denn erstens ist die Raumstation auf Kollisionskurs mit dem alten Sowjetsatelliten CCCP; zweitens war der nächste Flug eigentlich für Rogan vorgesehen; drittens ist dieser vor kurzem mit Jenny Li ins Bett gegangen; und viertens erweist sich auch noch seine medizinische Prognose in Hinsicht auf Viehböcks kardiovaskuläre Suffizienz als Riesenirrtum.

Das ist nur ein kleiner Ausblick auf einen in der Tat handlungsprallen Roman und klingt alles sehr nach Vintage Amanshauser. Erstaunlich daran ist allenfalls die Disziplin, mit der sich der Autor, der seit Jahren als Häuptling Fröhliche Faust durch die österreichische Literatur galoppiert, ohne allzu häufig einen Blick in das Handbuch "Wie schreibe ich fein ziselierte Romane für die Ewigkeit?" zu riskieren, hier ans Werk gemacht hat. Gewiss, "Alles klappt nie" enthält eine ordentliche Prise an Klamauk und echt depperten Witzen, aber dennoch ist das alles sorgsam dosiert und über die fünfzig, meist recht knappen Kapitel verteilt.

Amanshauser hat das Feuerwerk seiner Pointen klug aufgebaut, sodass die dramatisch gedoppelte "Operation Bypass", auf die dieses Weltraum-Action-Melodram zusteuert, während im terrestrischen Oberwaltersdorf ein silberhaariger Herbert Prohaska mit gezücktem Revolver ins Pressezentrum stürmt ("Ich mache ihm fertig, ich kdiege ihm", hatte er nach seiner Kündigung als Austria-Trainer in einem Interview gesagt), zu einem wirklich furiosen Finale geraten ist.

Schon möglich, dass das, was uns hier an technischem und medizinischem Wissen aufgetischt wird, völliger Humbug ist; es wird jedenfalls so detailreich und ernsthaft dargeboten, dass der Leser es akzeptiert und mit den Protagonisten mitfiebert. Das tut er, weil Amanshauser im Schutze literarischer Freiheit den real existierenden Fantasiegestalten zwar durchaus ans Bein, nicht aber in die Fresse pinkelt, sondern diese auch mit einigen überraschend sympathischen Charakterzügen ausstattet und so den wohl bislang zärtlichsten Weltraumroman der österreichischen Literaturgeschichte geschrieben hat:

"Man musste es leider zugeben: Der Alte begann zu riechen. Westenthaler, der auf Nasenatmung wechselte, wäre in einer anderen Situation allein schon aus Respektgründen abgerückt, doch heute hatte er das Gefühl, der Alte brauchte die Sakkoberührung. Er hatte ja sonst keinen, der es gut mit ihm meinte. "

Klaus Nüchtern in FALTER 36/2005



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