Cash

Rolling Stone, Georg Schmidt


Was soll man von einem Typen halten, den selbst der eigene Vater stets ziemlich aufgeblasen fand? Und was erst, wenn dieser Typ seinem Vater rückblickend auch noch Recht gibt? Durchaus einiges, so das überraschende Fazit der Lektüre von "Bono über Bono", einem über mehrere Jahre entstandenen und im wahrsten Sinne des Wortes Gott und die Welt behandelnden Interviewband mit Bono Vox, dem Sänger der irischen Rocksuperstars U2. Mehr noch als die Band selbst polarisiert Bono - im Vorwort erkennt er sich selbst als "geschwätzig, wichtigtuerisch und vermessen" - seit jeher: Ist er ein großer Charismatiker oder doch nur ein enervierender Pathoshaufen? Ein respekteinflößender Weltenretter oder doch nur ein außer Kontrolle geratener Gutmensch? "Ein Rockstar ist jemand mit einer Lücke im Herzen, die beinahe so groß ist wie sein Ego", bekennt er in einem der Gespräche mit dem französischen Journalisten Michka Assyas, einem langjährigen U2-Kenner und -Fan. Ausführlich, bisweilen etwas redundant, aber meist doch auf gerade auch für den Bono-Skeptiker interessante Art und Weise spricht er über das Füllen dieser Lücke, seine Beziehung zu Gott, seiner Familie und der Band, über Treffen mit Bush, Clinton & Co, die Motivation seiner politischen Arbeit, seine Begeisterung für Kate Moss und Roy Orbison und allerlei biografische Details.Auch in "Cash", einer vom US-Magazin Rolling Stone herausgegebenen Würdigung der verstorbenen Countryikone Johnny Cash, taucht Bono Vox als Autor auf. "Wir sind alle Weicheier im Vergleich zu Johnny Cash", schreibt er und hat damit so Unrecht nicht. Mit fantastischen Fotos großzügig illustriert, stellt dieses Buch gewordene Sonderheft bereits veröffentlichte ältere Texte und Interviews neben posthume Würdigungen und eine kommentierte Auswahldiskografie. Durch die gelungene Mischung aus kompakter Einführung und liebevoll gemachtem Fanwerk sollten Kenner ebenso davon profitieren können wie Neueinsteiger in die wunderbare Welt des Johnny Cash.

Gerhard Stöger in FALTER 26/2005



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