Mit Rückenwind. Eine literarische Rucksackreise

Benedikt Geulen, Marcus Seibert


"Wer das Ekeltraining auf der Toilette des ,Puddingshops' absolviert hat, ist fit für den Rest der Reise. Hier haben sie alle gesessen, mit den Haaren bis zum Arsch und 'nem fliegenden Teppich im Kopf und den Träumen von dem, was noch kommen wird." Was man sich heute kaum noch vorstellen kann, daran erinnert der Beginn von Helge Timmersbergs Bericht über eine Indienexpedition über Land: Reisen war einmal wild und gefährlich. Touren fernab touristisch erschlossener Gebiete sollten früher einmal andere Blickwinkel auf die Welt und das eigene Leben eröffnen. Heute dienen längere Individualtrips eher als Coolness demonstrierender Farbtupfer im Lebenslauf.

Umso erfrischender lesen sich einige Texte in dem liebevoll zusammengestellten Reader "Mit Rückenwind", wird ausgedehntes Reisen hier doch noch als Ausdruck von Widerständigkeit verstanden. Enthalten sind in dem handlichen Band sowohl Klassiker wie Adelbert von Chamissos "Siebenmeilenstiefel" oder ein Ausschnitt aus Jack Kerouacs Beatnik-Bibel "Unterwegs" als auch Texte anderer bekannter Autoren wie Bruce Chatwin oder David Sedaris. Hinzu kommen exemplarische Erfahrungsberichte, wie man mit einem Kühlschrank durch Irland trampt oder Deutschland bereist, ohne Geld auszugeben.

Sebastian Fasthuber in FALTER 25/2005



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