Starke Stimmen. Brigitte Hörbuch-Reihe

Elke Heidenreich


Elf Frauen und ein Mann

Nach dem Erfolg der "Süddeutschen Bibliothek" lockt das Geschäft mit den Reihen, das in Frankreich oder Italien schon seit langem floriert, nun auch andere Zeitungen und Zeitschriften. Auf dem Hörbuchsektor hat Brigitte, das Magazin für Mode und Kochrezepte der vermeintlich modernen Frau, nun mit "Starke Stimmen" einen Coup gelandet. Zwölf bekannte Frauen, großteils Schauspielerinnen, lesen zwölf Bücher von elf Frauen und einem Mann. Die Auswahl haben die Sprecherinnen selbst getroffen, allen voran Elke Heidenreich, und man muss sagen, es ist dabei ein recht hübscher Chor starker, aber vor allem unterschiedlicher Stimmen zusammengekommen.

Unter den Einspielungen finden sich tolle Wiederentdeckungen wie Françoise Sagans "Bonjour Tristesse", gelesen von Iris Berben, oder Irmgard Keuns "Das kunstseidene Mädchen", gelesen von der großartigen Fritzi Haberlandt, zwei Romane, die gerne vergessen werden, wenn ein Kanon der Literatur des 20. Jahrhunderts erstellt wird, die aber in jede ordentliche Bibliothek unbedingt hineingehören.

Elke Heidenreich, die Initiatorin des Projekts, liest die "New Yorker Geschichten" von Dorothy Parker. Auch so eine große fast Vergessene. Parker war Kritikerin für Vanity Fair, Esquire und den New Yorker und steht mit ihren Kurzgeschichten und Romanen für eine Zeit, in der Frauen den Weg an die Öffentlichkeit vor allem über den Journalismus gefunden haben. Eine wirkliche (Wieder-)Entdeckung ist auch Nuala O'Faolains packender Roman "Nur nicht unsichtbar werden" (Monica Bleibtreu) und auch Christine Brückners "Jauche und Levkojen" (Eva Mattes) fällt in diese Kategorie.

Von den prominenten und ausgezeichneten Leserinnen hat sich Corinna Harfouch für Christa Wolf ("Kassandra"), Sibel Kekilli für Jane Austen ("Sinn und Sinnlichkeit"), Sophie Rois für Connie Palmen ("Die Freundschaft"), Hannelore Hoger für die amerikanische Krimiautorin Elizabeth George ("Vergiss nie, dass ich dich liebe") und die wunderbare Katharina Thalbach für Juli Zeh ("Adler und Engel") entschieden - damit die unmittelbare Gegenwartsliteratur nicht zu kurz kommt. Senta Berger sorgt dafür, dass mit Schnitzlers "Fräulein Else" auch ein Grundbuch der österreichischen Literatur (und der einzige Mann) zum Zug kommt, und mit Pamela L. Tavers' "Mary Poppins" lassen sich notfalls auch die quengelnden Kleinen für ein paar Stunden versorgen - zumal Heike Makatschs Organ eher in den Kinderkanal passt.

Nicole Streitler-Kastberger in FALTER 25/2005



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