Die Pythagoras-Morde

Guillermo Martínez, Angelica Ammar


Ganz weit weg. Marcus Didius Falco findet beim Renovieren "Eine Leiche im Badehaus", und seine Schwester wird mit dem Tode bedroht. Wie günstig, dass ihn Kaiser Vespasian gerade eben nach Britannien befohlen hat, wo Falco - unterwegs mit Familie und Zahnweh - ebenfalls auf einen Toten stößt - und zwar nicht den letzten.

Lindsey Davis, Oxfordabsolventin auf Abwegen, hat mit M. Didius Falco (erster Fall: "Silberschweine", 1989/1993) die Figur eines hard-boiled detective in der Antike geschaffen - eine Kombination, die erstaunlich gut aufgeht; allenfalls die flapsige Sprache verwundert ein wenig. Diesmal baut Davis den Fall sogar rund um eine echte archäologische Fundstätte nahe Fishbourne, Sussex, auf und hat wenig Schmeichelhaftes über Architekten zu sagen. Auch deshalb eine Empfehlung.

Weniger weit weg führt Petra Oelkers sechster historischer Krimi - ins Hamburg des 18. Jahrhunderts. 1771 war ein Katastrophenjahr: das Wetter, die Hochwassergefahr und dann auch noch die Häufung nächtlicher Überfälle auf wohlbestallte Bürger, die am Morgen stets in peinlicher Lage gefunden werden. Ob der im Kühlhaus erfrorene Offizier Malthus auch in diese Reihe passt, muss die Stadtwache in Gestalt Weddemeister Wagners herausfinden. Rosina Hardenstein, der Verlobten der Toten verbunden, ermittelt auf eigene Faust und findet ein paar unhübsche Details über den Toten heraus. Ein Happy End ist nicht zu erwarten, dafür gibt's ein historisches Glossar.


Guillermo Martínez schickt seinen namenlosen Studenten aus Buenos Aires nach Oxford, wo der Stipendiat alles findet, was sich ein Mathematiker nur wünschen kann. Was er sich nicht unbedingt gewünscht hat, war die Ermordung seiner Zimmerwirtin. Eine geheimnisvolle Botschaft, die sein Mentor Arthur Seldom, der engste Vertraute der Enkelin der Ermordeten, erhalten hat, gibt dem mürrischen Ermittler Inspektor Petersen Rätsel auf. Seldom hatte ein Buch über logische Reihen mit einem Kapitel über Serienmorde verfasst und in der Folge mit allerlei Spinnern zu tun. Nach weiteren Notizen und Leichen, die auftauchen, glaubt Petersen an eine Art Herausforderung an den Mathematiker. Der Student, gleichzeitig Chronist dieser Ereignisse, versucht auf eigene Faust, die Hinweise zu deuten: "Die Pythagoras-Morde" scheinen mit der Zahlenmystik des griechischen Mathematikers und seiner Schule in Zusammenhang zu stehen.

Martínez führte zu Recht wochenlang die Verkaufslisten in Argentinien und Spanien an, denn die Geschichte ist spannend, und auf weniger als 200 Seiten werden darüber hinaus auch noch so diffizile Probleme wie Gödels Unvollständigkeitssatz, Wittgensteins Sprachspieltheorie oder Fermats berühmter letzter Satz in kurzen Dialogen abgehandelt. Ein kurzer Anhang hilft naturwissenschaftlich unbeleckten Lesern.

Der Kriminalfall erinnert nicht nur durch den Tatort an die besseren Bücher von Agatha Christie (der Vergleich mit den ABC-Morden drängt sich auf), auch der angenehm unterkühlte Stil und zahlreiche Verwirrspiele bringen "Die Pythagoras-Morde" den Klassikern dieses Genres recht nahe. Einzig die Liebesgeschichte, die weder dem Protagonisten Tiefe verleiht noch die Handlung voranbringt, wäre verzichtbar gewesen.

Martin Lhotzky in FALTER 25/2005



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