Polarsommer

Anne Swärd, Sabine Neumann


Es ist frisch im Sommer an der schwedischen Küste. Die menschlichen Beziehungen sind ungemütlichen Temperaturschwankungen unterworfen. Kristian ist in sein Elternhaus am Meer zurückgekehrt, um auf seine Halbschwester Kaj aufzupassen, während Mutter und Bruder Urlaub in Florida machen. Seit je verbindet Kristian und Kaj eine Zuneigung von bedrohlicher Ausschließlichkeit. So wie den beiden fällt es auch den anderen Figuren in "Polarsommer" schwer, die richtige Balance aus Nähe und Distanz zu finden.

Die Autorin Anne Swärd lässt in ihrem starken Erstling jedes Familienmitglied einzeln zu Wort kommen, ohne die Form des inneren Monologs zu strapazieren. Anhand vieler unscheinbarer Details zieht sie die zentralen familiären Konflikte immer enger zusammen. Es herrscht eine unheilvolle - fast möchte man sagen "nordische" - Stimmung vor, die wesentlich mit der mädchenhaften Kaj zu tun hat. Diese klarsichtige Wahnsinnige, die sich nur im kalten Wasser wohl fühlt, ist das Produkt eines Fehltritts ihres Vaters Jack; mit ihr finden aber auch die tiefen Schuldgefühle und Zweifel der anderen Protagonisten ihr Medium. Kein Wunder, dass Kaj am Ende die Geheimnisse ans Licht und die Katastrophe ins Rollen bringt.

Nicole Scheyerer in FALTER 25/2005



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