Verstecke


Wenn Kinder Verstecken spielen, üben sie fürs Leben. Was wäre notwendiger als die Kunst, sich unsichtbar zu machen? Vielleicht muss man Finne sein und aus den Birkenwäldern am Rand Europas kommen, um wie Petri Tamminen gleich ein ganzes Buch über "Verstecke" zu schreiben. Ob auf dem Dachboden (sofern man noch einen hat) oder im Schornstein eines Fabrikgeländes, ob auf den langen Fluren eines Verwaltungsgebäudes oder während einer Lesung - Tamminen kennt aus jeder noch so aussichtslosen Lage eine Rückzugsmöglichkeit. Seine poetischen Miniaturen sind nicht nur als konkrete Handlungsanweisungen brauchbar, sondern auch als Beschreibung einer Existenzweise, die mit sich selbst, der Stille und im Abseits am glücklichsten ist. Wer erst einmal das passende Versteck für einen Sommertag gefunden hat, mag gar nicht mehr hervorkommen.

Jörg Magenau in FALTER 25/2005



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