Friedrich Schiller. Der Atem der Freiheit

Volker Hage


Friedrich Schiller oder Die Erfindung des Hörbuchs: Schon im Herbst ist die monumentale Schiller-Biografie von Rüdiger Safranski erschienen. Jetzt wurde Sigrid Damms mal fröhliche, mal traurige Wanderung durch "Das Leben des Friedrich Schiller" nachgereicht. Wer solch epische Breite scheut, dem sei der Spiegel-Essay "Friedrich Schiller. Der Atem der Freiheit" von Volker Hage empfohlen: "Frauen, Freiheit, Freundschaft!" - um diese drei Fs entwickelt Hage seine Reflexionen, die mit Schillers Brief an die beiden Schwestern Caroline und Charlotte von Lengefeld einsetzen - einem Liebesbrief im Pluralis!

Auf den Dramatiker Schiller kann man sich in der zwanzig CDs umfassenden Edition "Werke. Eine Auswahl" einlassen, welche Einspielungen aus fünfzig Jahren Radio und einen Auszug aus Safranskis Biografie mit im Gepäck führt. Etwas schlanker die Edition "Dramen". Auch hier Antiquarisches: Die stark selektiven Aufnahmen des "Fiesco", des "Don Carlos", der "Maria Stuart", des "Wilhelm Tell", des "Demetrius" und von "Kabale und Liebe" stammen großteils aus den Fünfzigerjahren. Ein, mit Verlaub, etwas staubiges Vergnügen. Wer sich mit den Gedichten Schillers auseinander setzen will, kann dies mit der nun unter dem Titel "Diesen Kuss der ganzen Welt" erschienenen Einspielung. Neben Fließbandarbeit enthält die CD auch Überraschendes, wie die an Büchner gemahnende Ballade "Der Handschuh" mit ihrem äußerst frechen Schluss und das Gedicht "An Emma", ein philosophisch-hintergründiges Gedankenspiel über die Liebe.

Nicole Streitler-Kastberger in FALTER 24/2005



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