Der Magier von Moskau. Fandorin ermittelt

Boris Akunin, Renate Reschke, Thomas Reschke


Für Freunde der Friesen ein feiner Fund: "Mit der Flut kommt der Tod" spielt in Husum und auf den Halligen (für uns Landratten: das sind so Inseln oder eher Sandbänke). Wir schreiben das Jahr 1894, und der junge Deichinspektor Hansen hat's auch nicht leicht: Seine Verlobte, Tochter eines dänischen Journalisten, der sich immer wieder mit der preußischen Regierung anlegt, ist verschwunden. Dummerweise arbeitet Hansen für das preußische Wasserbauamt (aber nicht als Schimmelreiter) und soll gerade jetzt die störrischen Halligenbewohner und seine nicht minder sturen Vorgesetzten von der Sinnhaftigkeit, einen Damm zu errichten, überzeugen.

Kaum ist er auf der Hauptinsel angelangt, wird als Vorbote erst mal eine tote Robbe, dann die Leiche eines Mannes angeschwemmt. Hansen beschleicht der Verdacht, dass der seit langem verbotene Sklavenhandel vielleicht doch noch nicht ganz zum Erliegen gekommen ist, und begibt sich dadurch selbst in tödliche Gefahr. Nicht uncharmant und sogar mit einem Glossar der lokalen Seemannssprache versehen, erzählt Kari Köster-Lösche von den Ermittlungen des Wasserassessors. Ob sie den Ton genau trifft, können Plattdeutsche sicher besser beurteilen, aber dem Klischee vom bedächtigen Nordländer tut sie genüge.

Ganz anders geht es da in Moskau zu. Eine Welle von Selbstmorden erschüttert die Millionenstadt im letzten Jahr des vorletzten Jahrhunderts. Glaubt man den Zeitungen, so existieren ganze Klubs, die sich der Entleibung ihrer Mitglieder verschrieben haben. Inkognito schleicht sich ein Spion in den prominentesten dieser Zirkel ein. Es spricht nämlich einiges dafür, dass keineswegs alle Opfer wirklich aus freien Stücken aus dem Leben geschieden sind.

"Der Magier von Moskau" heißt der jüngste Detektivroman von Boris Akunin (Pseudonym für Grigori Tschchartischwili), und erstmals ziert der Name Fandorin den Umschlag. Auch für Einsteiger zur Serie um den russischen Ermittler bietet sich so die Gelegenheit, einen weithin stimmigen Kriminalfall im klassischen Stile Conan Doyles zu genießen. Altmodisch, aber apart!

Martin Lhotzky in FALTER 21/2005



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