Das Schaf Charlotte

Anu Stohner, Henrike Wilson


Charlotte ist ein junges Schaf. Ein aufgewecktes, kluges und sehr ungewöhnliches junges Schaf. Es klettert auf Bäume, schwimmt im Wildbach, erklimmt den Zackenfelsen und spaziert allen Einwänden ihrer Herde zum Trotz zur Straße, um sich die gefährlichen Autos einmal genauer anzusehen. Als der Schäfer sich den Fuß bricht, erweist sich Charlottes Übermut als großes Glück: Alleine macht sie sich auf den weiten Weg ins Dorf, um Hilfe zu holen. Die vife kleine Revoluzzerin ist die sympathische Heldin des Kinderbuchs "Das Schaf Charlotte", in dem die ermutigende Geschichte von Anu Stohner mit tollen Bildern von Henrike Wilson illustriert wird, die durch die überformatige Aufmachung besonders gut zur Geltung kommen.

Nicht ganz so perfekt harmonieren Bild und Text in "Ach Nein! Und wenn schon!", in dem Rotraut Susanne Berner von der Freundschaft zweier konträrer Hühner, einer unbeschwerten Frohnatur und einer unverbesserlichen Pessimistin, erzählt. Das Zielpublikum weiß die auf Wiederholung setzende inhaltliche Simplizität aber durchaus zu schätzen und checkt interessanterweise auch knapp dreijährig schon die nicht ganz einfache Schlusspointe mit dem überraschenden Rollentausch der beiden Hühner. Vor allem durch die mit liebevollen Details und diversen kleinen Gags für die Vorlesenden gespickten Zeichnungen überzeugt aber auch dieses Buch.

An etwas ältere Kinder richtet sich "Die Abenteuer von Abdi", das vierte Märchen der Popsängerin Madonna, Der naive Waisenjunge Abdi soll ein wertvolles Geschmeide zum Königshaus bringen. Allerlei Unbill widerfährt ihm, bevor der weise alte Juwelier Eli auftaucht, die Königin doch noch zu ihrem einzigartigen Schmuckstück kommt und das hinterhältige Diebespack im Kerker landet. Passabel erzählt, muss man hier aber mit einem Übermaß an Moral der Abteilung "Glaube kann Berge versetzen" und "Alles wird gut, wenn du nur reinen Herzens bist" sowie Madonnas Beharren auf der Unverrückbarkeit des von einer höheren Macht vorgegebenen Schicksals fertig werden.

Gerhard Stöger in FALTER 20/2005



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