Pastetenlust. Palinskis erster Fall

Pierre Emme


Falls es den Begriff Designerkrimi noch nicht gibt, dann bitte ab jetzt immer für solche Bücher wie "Die falsche Frau" von Katrin Mackowski verwenden. Der Roman spielt in Wien - das tut aber nichts zur Sache, denn bis auf einige eingestreute Straßennamen hat der Fall kaum etwas mit dieser Stadt zu tun. Zufällig lebt eben die Autorin hier.

François, ehemaliger Fremdenlegionär, kommt nach dem Tod seiner Eltern in die alte Heimatstadt zurück und wird gleich von einem Exkameraden in dubiose Geschäfte mit der "Russenmafia" verstrickt. Der harte, aber naive Söldner handelt in dem Glauben, als V-Mann für die österreichische Polizei zu arbeiten. Die Frauen, bis auf das erste Mordopfer alle um die vierzig, rasend gutaussehend und ständig spitz, verfallen reihenweise seinem Charme. Nur dumm halt, dass ein paar davon sterben. Die rasend gutaussehende, ständig spitze Psychologin Dr. Rosen (um die vierzig) glaubt nicht an François' Schuld, und er hat's ja auch nicht getan. Drübergestreut tummeln sich noch anständige und korrupte Polizisten sowie der "Alibitürke der Polizei".

Wem schlechte "Tatort"-Folgen gefallen, dem sei dieses Buch empfohlen.

Ungleich charmanter fällt da schon das Debüt von Mario Palinski aus. Der Schundheftlschreiberling und Besitzer der zweitgrößten Datenbank über reale und fiktive Verbrechen wird vom Wiener Autor Pierre Emme unvermittelt in seinen ersten Fall "Pastetenlust" gestoßen, da direkt vor seinem Fenster zum Hof eine Leiche abgeladen wird. Der Tote wird als bekannter Fernsehseriendarsteller identifiziert. Weitere Morde folgen, der Täter macht sich geschickt die gleichzeitige Erpressung eines Lebensmittelkonzerns mit vergiftetem Gebäck zunutze.

Motiv und Ausführung klingen nicht unlogisch, ein Wermutstropfen bleibt die ostentativ zur Schau getragene Selbstverliebtheit des Protagonisten (und wohl auch: des Autors). Die unnötige Zusammenfassung am Schluss sowie allzu breite Dialektpassagen sollte sich Emme künftighin sparen, doch steht "Pastetenlust" in jedem Fall über den Groschenromanen Palinskis.

Martin Lhotzky in FALTER 19/2005



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