Abseitsfalle. Essays zu Fußball, Literatur und Politik

Samo Kobenter


Ein guter Schmäh

In seinem Band "Abseitsfalle" schreibt Samo Kobenter geistreich über Fußball, Kärnten und vieles mehr.

Samo Kobenter schläft schlecht. Im Bett wälze er sich oft herum, klagt der Autor, senile Bettflucht eben. Also hat er ein Buch geschrieben, "entstanden aus den kurzen Augenblicken vor dem Einschlafen und nach dem Erwachen".

Das ist wohl ein Schmäh. Kobenters Essays, die er in dem Band "Abseits" zusammengefasst hat, schürfen zu tief, als dass er sie in flüchtigen Momenten ersonnen haben könnte. Besonders originell schreibt der Innenpolitik-Redakteur des Standard dann, wenn er sein Metier verlässt; also weniger, wenn er versucht, einem Anfänger Österreich zu erklären, als vielmehr, wenn er sich dem Thema Fußball widmet. Zur Höchstform läuft Kobenter auf, wenn er beschreibt, wie perfide die portugiesische Truppe in einer WM-Partie ihren Superstar Luis Figo schneidet: "Figo läuft Wege auf und ab, in die er sonst seine Bälle spielt, und sie lassen ihn laufen und spielen an ihm vorbei. Sie füttern Pauleta mit Bällen, den dummen Jungen, neun übereifrige Ammen um einen hungerschreienden Balg, der schnell wachsen muss, denn ihn haben sie ausersehen, Figo endgültig den Garaus zu machen." Ums Kicken geht es nur vordergründig. "Der Fado des Luis Figo" handelt von Macht und Auflehnung. Vom Marseiller Genie Zinedine Zidane spannt Kobenter den Bogen zum verlogenen Umgang mit der Einwanderungsgesellschaft, vom Schnösel David Beckham zur Misere in den britischen Midlands.

Im zweiten Teil des Buches ist die Wuchtel dann passé. Der gebürtige Klagenfurter wagt den Versuch, das Kärntner Wesen zu entschlüsseln, was ihm präziser gelingt als vielen Schreibern vor ihm. Und er gibt Besuchern lebensnotwendige Tipps. Wenn die Kärntner selbst über ihr Land sprächen, flüchteten sie sich in Schwärmereien von der Schönheit der Landschaft, weiß Kobenter. Wenn einem ein Kärntner also auf den Kopf zusage: "Oba scheen is schon bei uns, göll?", dann sei das als Aufforderung zu verstehen, nun besser das Thema zu wechseln. "Letzte Ausfahrt, bitte", warnt Kobenter: "Danach gibt's nur noch fluchtartigen Abgang oder Wirtshausschlägerei."

Gerald John in FALTER 19/2005



ANZEIGE


FALTER abonnieren
×