Der lachende Christus

Adolf Holl


Die fröhliche Apokalypse

Wow! Holl lässt voll die häretische Sau raus." Mit diesen deftigen Worten fasste Prof. Alfred Worm seine Rezension von "Der lachende Christus" zusammen - und brachte das Buch damit nicht wirklich auf den Punkt. Denn das ist dafür zu listig und mehrdeutig, die Prosa des Jubilars viel zu ironisch und elegant. Während Adolf Holl in "Jesus in schlechter Gesellschaft" die historische Figur des Menschensohns soziologisch dekonstruierte, geht es ihm nun umgekehrt darum, die Erlösungsgeschichte vom blutigen Leiden zu erlösen.

Ausgangspunkt bildet die sogenannte Petrus-Apokalypse, ein verschollen geglaubter Text, den man 1945 in Oberägypten fand. Darin ist von einem Unbekannten unter dem Kreuz von Golgatha die Rede, der fröhlich lacht und sich als der wahre Jesus zu erkennen gibt, während sein leiblicher Ersatz tot am Kreuz hängt. Der Icherzähler Holl hält Zwiesprache mit diesem Jesus, wandert fröhlich dahinassoziierend durch die Kirchen- und Weltgeschichte und lässt dabei alle möglichen religiösen Randfiguren, Narren, Trickster und sogar den Dalai Lama zu Wort kommen, die ihm bei seiner eben so ernsthaften wie schelmischen Abrechung mit der Nekrophilie der christlichen Offenbarung beistehen. Erlösung ohne unnötiges Leiden also - da kommt Freude auf!

Klaus Taschwer in FALTER 19/2005



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