Bouvard und Pécuchet

Gustave Flaubert, Caroline Vollmann


Am 6. Mai jährt sich der Todestag von Gustave Flaubert zum 125. Mal. Der Tod des Romanciers verhinderte auch die Fertigstellung von "Bouvard und Pécuchet", das 1881 posthum als Fragment erschien; aus dem Entwurf, der im Anhang der soeben erschienenen Neuübersetzung von Caroline Vollmann zitiert ist, lässt sich der beabsichtigte Schluss entnehmen: Die beiden Kopisten, die vom Autor auf eine Reise durch die Wissenschaften und Künste ihrer Zeit geschickt werden - vom Weinbau bis zur Anatomie, von der Gartenkunst bis zur Historie - enden wieder dort, wo sie vor der Erbschaft bzw. der Pension waren: beim Kopieren. Das ist die böse Pointe eines der lustigsten, aber eben bösartigsten Romane der Literaturgeschichte. Nichts, aber auch gar nichts gönnt der misanthropische Autor ("Ich möchte die Menschen in meinem Gekotzten ertränken") seinen beiden Wissensdeppen, die sich stets mit neuer Begeisterung auf das jeweils jüngste Interessengebiet werfen, bis es ihnen dann im Zuge der Rück- und Niederschläge doch wieder verleidet wird. Selbst in Liebesdingen geht alles schief. Woran die beiden letztendlich scheitern, ist ihr blindes Vertrauen in alles, was irgendwie als verbürgtes Wissen daherkommt (und sei es die "Wissenschaft" von den Kräften des Magnetismus), und ihr Glaube an die Finalität des Wissens: Man muss alles gelesen haben, denn "die geringste Lücke könnte zu einem Irrtum führen, der ohne Ende andere Irrtümer nach sich ziehen würde".

Was Flauberts Unterfangen ein bisschen unheimlich macht, ist der Umstand, dass er Tausende Bücher las, um seine beiden Helden darüber deppert desputieren lassen zu können. Die Verachtung der Dummheit setzte solche Energien frei, dass Flaubert auch ein "Wörterbuch der gemeinen Phrasen" erstellte, eine Kompilation von Klischees, deren knappe Kommentierung beweist: Flaubert hat's durchschaut! Dabei ist etwa der Gemeinplatz unter dem Eintrag "Beschreibungen" gar nicht so leicht von der Hand zu weisen; auch oder gerade bei Flaubert nicht: "In Romanen immer zu viel davon".

Klaus Nüchtern in FALTER 18/2005



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