Frauen. Naja. Schwierig

Matthias Politycki, Steffen Jacobs, Hellmuth Opitz


Das kürzlich vom Börsenblatt veröffentlichte Ranking deutscher Hörbuchverlage sieht so aus: 1. der hörverlag (Jahresumsatz 2004: 16,5 Millionen Euro); 2. Random House Audio (7 Mio.); 3. Jumbo (4,64 Mio.), 4. Lübbe Audio (4,6 Mio.); 5. Der Audio Verlag (3,3 Mio). Nicht vertreten ist der Verlag Hoffmann und Campe, doch hat auch er einiges zu bieten - etwa die ungekürzte Hörversion des Romans "Die Liebesblödigkeit" von Wilhelm Genazino. Ein Mittfünfziger liebt zwei Frauen, die nichts voneinander wissen. Er tut dies schon seit Jahren, ohne dass ihm die Situation jemals problematisch erschienen wäre. Doch plötzlich - Auslöser wohl ein Wadenkrampf beim Geschlechtsakt, der damit sein jähes Ende findet - kommt er über die Verfahrenheit seiner Situation ins Grübeln. Genazino, ein brillanter Leser, unterstreicht durch seinen betont trockenen Vortrag noch seinen, in der Nachfolge der "Beschreibungswut" (Peter Handke) der Gruppe 47 stehenden Stil. Sein tragikomischer Ich-Erzähler ist ein schonungs- und mitleidsloser Chronist der Verrenkungen der eigenen Spät-Midlife-Crisis.

Um verwandte Themen geht es in "Frauen. Naja. Schwierig.", einem Lesungslivemitschnitt mit Gedichten von Steffen Jacobs, Hellmuth Opitz und Matthias Politycki. In diesem "lyrischen Stationendrama der Liebe" wird die ganze Bandbreite des komplexen Themas "Geschlechterverhältnis" (samt der gängigen Klischees) durchgespielt: Einsamkeit, Kontaktaufnahme, Körperkontakt, Trennung. Hervorgehoben seien zwei satirische Beiträge zum Thema "Playboy" und das zweifellos zutreffende Aperçu Polityckis: "Nur von Frauen lernt man das gnadenlose Betrachten der Frauen." Auch wenn manche Texte scharf am Zotigen vorbeischrammen, hat man selten einen so kurzweiligen Lyrikabend erlebt. Ein bemerkenswertes Gedicht von Hellmuth Opitz trägt den Titel "Charlotte Rampling in einem Hotelzimmer in Arles, nachts" - und ist eine kleine Liebeserklärung an die Magerkeit. Und trotz aller "Liebesblödigkeit" endet der Band selbstverständlich mit einer Hymne auf die Frauen, dem "Outro" "Frauen. Hm. Wunderbar."

Nicole Streitler-Kastberger in FALTER 17/2005



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