Blaue Wunder

lldikó von Kürthy


Der Hörverlag hat nach "Freizeichen" nun auch Ildikó von Kürthys neuen Roman "Blaue Wunder" als Hörbuch herausgebracht - und zwar von der Autorin selbst gelesen. Die Story ist schnell zusammengefasst: Die 32-jährige Elli kommt vom Land in die Stadt und verliebt sich in Martin, den Juniorchef einer Sanitärfirma, den sie bei einem Autounfall kennen lernt. Leider stellt sich heraus, dass Martin eine langjährige Verlobte hat. Elli ist am Boden zerstört, hatte sie doch geglaubt, endlich die "große Liebe" gefunden zu haben. Doch wie das Leben so spielt, taucht da, fast unbemerkt, ein Dritter auf, der klammheimlich das Herz der doch nicht mehr so verliebten Elli erobert, ein Jeanstyp mit Soundmachine, der Nenas "Ich geh mit dir, wohin du willst, auch ans Ende dieser Welt" trällert. Soweit die Handlung, deren Moral vielleicht gar nicht so falsch ist. Vieles von dem, was Elli da von sich gibt an Weisheiten über das Leid Beziehungsloser Anfang der dreißig, die nicht mehr an Besitz an sich binden können, als in einen Kleinwagen passt, kann man zwar in jeder mäßigen Frauenzeitschrift von Woman abwärts nachlesen, aber es soll ja Leute geben, die so was lieber in Romanform lesen (hören).

In einer anderen Spielklasse bewegen sich da zweifellos Otto Sander und Christoph Waltz, die "Drei Frauen" von Robert Musil eingespielt haben und damit gleich auf Platz eins der Hörbuch-Bestenliste des hr2 gelandet sind. Großer Frauenfreund war Musil sicher keiner, auch wenn er mit seiner Martha bis zuletzt recht innig zusammenlebte. Sieht man sich die drei Frauen an - Grigia, "die Portugiesin" und Tonka - dann verbindet sie alle eine fast lähmende Passivität. Ausbrüche gibt es kaum, und wenn, dann nur unter tatkräftiger Mithilfe eines Mannes. Und doch vermögen diese drei Texte in ihren Bann zu ziehen; durch ihre sprachliche Schönheit, durch manch treffende Sentenz, vor allem aber durch das Geheimnisvolle, das der Autor in sie hineingetragen hat. Es sind, trotz der mitunter modernen Färbung, Novellen im ganz ursprünglichen und auch Goethe'schen Sinn, die vom "Unerhörten" handeln, das man jetzt jedoch in der Hörbuchform im doppelten Sinn erhören kann.

Nicole Streitler-Kastberger in FALTER 12/2005



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