Einstein in Berlin. 1914-1933

Hubert Goenner


Mit etwas Verzögerung stiegen die Verlage ins Einstein-Jahr ein. Darstellungen von Leben und Werk des Physik-Superstars gab es zwar schon genug, dennoch bieten einige der Neuerscheinungen auch tatsächlich noch Neues und Lesenswertes.

Was Einstein seinem Koch erzählte", "Die Einstein-Kur", "Was Einstein seinem Friseur erzählte", "Einstein überquerte die Elbe bei Hamburg" - an Büchern mit Einstein im Titel hat bereits vor dem laufenden Einstein-Jahr 2005 kein Mangel geherrscht. Die Heftigkeit, mit der im deutschsprachigen Raum das mediale Einstein-Gewitter unmittelbar nach dem Jahreswechsel losbrach, scheint allerdings auch die Verlage etwas überrascht haben. Denn während der große Physiker, der vor einem halben Jahrhundert starb und vor einem ganzen Jahrhundert sein Wunderjahr hatte, in den Zeitungen und Zeitschriften bereits zu Jahresbeginn einigermaßen "durchgenommen" worden war, lagen zu dem Zeitpunkt erst die wenigsten Einstein-Neuerscheinungen vor.

Am besten geplant hat der Rowohlt-Verlag seine neuen Bücher über Albert Einstein: Eine aktualisierte Version der sehr brauchbaren Taschenbuch-Bildmonografie sowie die neue Biografie von Jürgen Neffe waren vom ersten Tag des Einstein-Jahres an erhältlich. Der GEO- und Spiegel-Journalist Neffe hat aber auch am gründlichsten recherchiert: Obwohl man dank der älteren voluminösen Lebens(werk)darstellungen durch Albrecht Fölsing, Armin Hermann und Abraham Pais alles über den Physiker zu wissen glaubte, wartet "Einstein. Eine Biographie" mit etlichen neuen Fakten auf, die Einstein nicht gerade in einem besseren Licht erscheinen lassen - vor allem im Hinblick auf sein Verhältnis zu den Frauen. Neffe ist zudem ein brillanter Autor, der es versteht, verständlich, spannend und einfühlsam zu formulieren. Und so mögen es ihm die Physiker nachsehen, wenn das eine oder andere wissenschaftliche Detail zur Relativitätstheorie nicht ganz perfekt dargestellt ist.

Für das deutsche Publikum von besonderem Interesse ist Einsteins Zeit in und sein Verhältnis zu Deutschland, und so waren gleich zwei dicke Neuerscheinungen unter dem identischen Titel "Einstein in Berlin" angekündigt. Das Buch des US-amerikanischen Dokumentarfilmers und Sachbuchautors Thomas Levenson hieß zwar schon auf Englisch so, dennoch hielt man es für besser, seinen umfangreichen Band kurzfristig in "Albert Einstein. Die Berliner Jahre 1914-1932" umzutaufen. Levenson hat für das Buch, das im Original bereits 2003 erschien, fünf Jahre lang über Einstein und den politischen Kontext der Weimarer Zeit recherchiert - und die Zeit gut investiert und ein material- und vielleicht etwas zu umfangreiches Doppelporträt einer großen Stadt und eines großen Menschen verfasst. Vergleichsweise schwach nimmt sich dagegen Hubert Goenners Darstellung desselben Themas aus. Der deutsche Physiker hat nicht nur weniger zum Thema zu sagen; er ist auch alles andere als ein guter Schreiber.

Der mit Abstand produktivste deutschsprachige Wissenschaftsautor mit einem Output von rund drei Büchern pro Jahr ist Ernst Peter Fischer. Der Professor für Wissenschaftsgeschichte in Konstanz hat eines der schmalsten Bücher des Einstein-Jubeljahrs vorgelegt: "Einstein für die Westentasche" braucht mit 19,5 Zentimetern Länge zwar relativ größere textile Leerräume, setzt beim Leser sonst allerdings nicht viel voraus - und ist doch lehrreich.

"Einstein light" hingegen, eine Darstellung der Relativitätstheorie durch den Theologen Martin Kornelius, wiegt zwar nur 138 Gramm, ist aber um einiges anspruchs- und voraussetzungsvoller, was die Darstellung der Verhältnisse von Raum, Zeit und Masse anlangt.

Noch weiter in die Tiefen der Relativitätstheorie wagen sich der deutsche Physiker Markus Pössel und die US-amerikanische Wissenschaftsjournalistin Marcia Bartusiak in ihren Büchern vor. In seinem durchgängig bunt illustrierten Pop-Lehrbuch "Das Einstein-Fenster" erklärt Pössel auf ziemlich anschauliche Weise Einsteins kosmologische Gedankenwelt und widmet sich dabei auch dem zurzeit aktuellsten Forschungsprojekt im Gefolge seiner Relativitätstheorie: der Erforschung der Gravitationswellen.

Gleich eine ganze Studie über diese seit einigen Jahrzehnten eifrig betriebene Suche, bei der bis heute nicht ganz klar ist, mit welchen Instrumenten man das Gesuchte überhaupt finden kann, hat Marcia Bartusiak verfasst. Auf Englisch trug das preisgekrönte Buch den schönen Titel "Einstein's Unfinished Symphony", der deutsche passt immerhin gut zum Rummel rund ums Jubeljahr: "Einsteins Vermächtnis".Am besten geplant hat der Rowohlt-Verlag seine neuen Bücher über Albert Einstein: Eine aktualisierte Version der sehr brauchbaren Taschenbuch-Bildmonografie sowie die neue Biografie von Jürgen Neffe waren vom ersten Tag des Einstein-Jahres an erhältlich. Der GEO- und Spiegel-Journalist Neffe hat aber auch am gründlichsten recherchiert: Obwohl man dank der älteren voluminösen Lebens(werk)darstellungen durch Albrecht Fölsing, Armin Hermann und Abraham Pais alles über den Physiker zu wissen glaubte, wartet "Einstein. Eine Biographie" mit etlichen neuen Fakten auf, die Einstein nicht gerade in einem besseren Licht erscheinen lassen - vor allem im Hinblick auf sein Verhältnis zu den Frauen. Neffe ist zudem ein brillanter Autor, der es versteht, verständlich, spannend und einfühlsam zu formulieren. Und so mögen es ihm die Physiker nachsehen, wenn das eine oder andere wissenschaftliche Detail zur Relativitätstheorie nicht ganz perfekt dargestellt ist.

Klaus Taschwer in FALTER 11/2005



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