Der Club

Takis Würger


Noch immer kein richtiges Leben im falschen

In Cambridge ist der Pitt Club die Nummer eins unter den angesagten Studentenverbindungen. Alle Berufssöhne, die Rang und Namen mit der vom Dienstpersonal aufgeschäumten Muttermilch aufgesogen haben, gieren danach, in seine jahrhundertealten Bräuche eingeführt zu werden. Wofür andere bereit wären, einen Gutteil ihres noch nicht ererbten Vermögens in den Wind zu schießen, fällt Hans Stichler in den Schoß. Der stille Niemand aus Niedersachsen wird von seiner emotional unterkühlten Tante Alex, einer bekannten Kunsthistorikerin, mit einem Stipendium ausgestattet und nach England geholt. Die Einladung in den berüchtigten Pitt Club besorgt ihre wohlhabende und attraktive Doktorandin Charlotte.
Die Aufnahme in die verführerisch funkelnde neue Welt hat für den 19-Jährigen einen Preis. Als Gegenleistung für einen Studienplatz an einer der besten Unis der Welt soll er für seine Tante ein Verbrechen aufklären. Genaueres erfährt er zunächst nicht. Nur, dass es mit einem noch exklusiveren Zirkel innerhalb des Pitt Clubs zu tun hat: den „Schmetterlingen“.
Der für seine Reportagen aus dem Nahen Osten ausgezeichnete Spiegel-Reporter Takis Würger verarbeitet in seinem Debütroman auch Autobiografisches aus der eigenen Zeit in Cambridge. Wie der Protagonist boxte er gegen Oxford – und ist selbst Mitglied des Pitt Clubs. Die freimütige Nähe zum Stoff sorgt für die nötige Suggestivkraft der Geschichte, die sich gerade wegen Würgers reduzierter, metaphernscheuer Sprache schnell zu einem handfesten Gesellschaftskrimi entwickelt. Auch die reichlich an den Haaren herbeidramatisierte Liebesgeschichte zwischen Charlotte und Hans kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass Würger ein talentierter Erzähler ist.
„Der Club“ ist die Geschichte eines Außenseiters, der naiv genug ist, das Richtige zu tun, um das Falsche an den Tag zu bringen. Dabei kreist der Roman gekonnt um die Frage, was denn nun eigentlich das Wahre und was das Falsche sei. Und die Moral von der Geschicht: Es gibt immer noch kein richtiges Leben im falschen.

Albert Eibl in FALTER 14/2017



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