Du hättest gehen sollen

Daniel Kehlmann


Schon aus Kubricks „Shining“ weiß man, dass es schlimm ausgeht, wenn sich Familienväter zum Schreiben ins Gebirge zurückziehen. Daniel Kehlmann nutzt dieselbe Ausgangssituation, er hat bloß den Buben durch ein Mädchen ersetzt. Das Verhältnis des Erzählers zu seiner Gattin ist sichtlich angespannt: „Jetzt spielen sie auf dem Teppich und sind laut, und ich kritzle weiter, damit sie meinen, ich würde arbeiten.“
Der unter Druck stehende Drehbuchautor arbeitet an einer Fortsetzung seines Erfolgsfilmes „Allerbeste Freundin I“, die läppischen Ansätze dazu sind in den Text montiert, der sich auf eher unökonomische, ebenso hölzerne wie manierierte Weise alles greift, wessen er zur Evozierung des Numinosen zu bedürfen glaubt. Wo alle Regeln der Kausalität, der Naturgesetze und des Erzählens suspendiert sind, bleibt aber der Horror eine bloße Behauptung, das intendierte Verwirrspiel nichts weiter als wirr.

Klaus Nüchtern in FALTER 46/2016



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