magazine

Adam Green


Nun hat ihn auch Harald Schmidt qua Einladung in seine Show geadelt: ein weiteres Indiz dafür, dass Adam Green endgültig zu Everybody's Darling in der Zielgruppe der 14- bis 49-Jährigen avanciert ist. Eigentlich logisch: Wer in seinen Texten derart Schweinisches von sich gibt, gleichzeitig süß rüberkommt und auch noch irgendwie tiefgründig künstlerisch wirkt, wer diese Frisur trägt und es schafft, aufgepeppte Neuinterpretationen des Liedguts von Jonathan Richman so bedeutsam wie Bob Dylan klingen zu lassen, den darf man bis auf Weiteres getrost als Stimme der bislang kaum besungenen Generation Y verstehen.

Wenn Green nun auch noch parallel mit seinem neuen Album "Gemstones" ein Buch veröffentlicht, wittern Berufszyniker allzu schnell einen teuflischen kommerziellen Masterplan. Doch allein die Tatsache, dass das schmale Bändchen namens "magazine" nicht im knallbunten Programm von Kiepenheuer & Witsch, sondern im ehrwürdigen Suhrkamp Verlag - noch dazu in der weniger funkigen, eher theorielastigen edition suhrkamp - erschienen ist, sollte genügen, um die Ernsthaftigkeit von Greens poetischen Bemühungen zu unterstreichen. Übersetzt wurden die Texte der zweisprachigen Ausgabe dann auch noch von Thomas Meinecke ("Musik"), dem guten Gewissen der deutschsprachigen Popliteratur. Die Zeichen stehen also auf jugendliche Hochkultur.

Was kann "magazine"? Gediegen verstören, wäre der erste Eindruck. Nicht Unterhaltung steht hier im Vordergrund, sondern Poesie, die ihre rätselhaften Momente hat und insgesamt einen rauschhaften Eindruck vermittelt. Green orientiert sich an den Gedichten der Beatautoren; Allen Ginsbergs in den Sechzigerjahren immens einflussreiches Langgedicht "Howl" hallt nach, ebenso wie Burroughs, aber auch eingehende Lektüren von Rimbaud und Baudelaire. Wortfetzen werden gnadenlos ungereimt aneinander gereiht; mal ergeben sie Sinn, mal weniger.

Sex, Politik, Kunst und vor allem das Ich in der Welt - eben alles, was einem nachdenklichen Twentysomething-Genie durch den Kopf geht - spielen die Hauptrollen; assoziativ wie in einem Traum fließen die Worte dahin; manche Sprachspiele gehen auf, andere kräftig in die Hose, was Meineckes gewissenhafte Übersetzung nicht glatt zu bügeln versucht. Am Ende bleibt der Eindruck, dass man Green besser nicht ganz nüchtern lesen sollte, sowie ein paar einprägsame Sprüche ("Bin ich in Amerika ohne Computer obdachlos?"), die man dereinst als spätes Echo der Gegenkultur interpretieren wird.

Robert Rotifer in FALTER 6/2005



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