Briefwechsel mit den Gebrüdern Goncourt

Gustave Flaubert, Cornelia Hasting


Die menschliche Dummheit macht mich so fertig, dass ich mir wie eine Fliege vorkomme, die den Himalaja auf dem Rücken trägt. Ich werde versuchen, mein Gift in meinem Buch auszukotzen." Das Buch, von dem in diesem Brief von Gustave Flaubert die Rede ist, heißt "Bouvard und Pécuchet", sein Autor wäre darüber fast verrückt geworden. Denn er hat sich Tausende von populärwissenschaftlichen Büchern reingezogen, um daraus eine bis heute aktuelle Abrechnung mit den Grenzen der Aufklärung zu destillieren: Die beiden Kopisten Bouvard und Pécuchet interessieren sich für alle Erkenntnisse ihrer Zeit, scheitern aber stümperhaft daran, sie sich anzueignen.

Ein lange vergessenes Nebenprodukt der Recherchen zu diesem abgründigen Roman ist die "Universalenzyklopädie der menschlichen Dummheit", Flauberts gesammelte Abschriften der blödesten Stellen aus all dem Wissensmüll, durch den er sich hindurchquälte. Die Eintragungen sind grob nach Themen gegliedert (z.B. "Merkwürdigkeiten"), dann folgen kommentierende lakonische Stichworte von Flaubert ("Bestrafung der Ausschweifung") und schließlich der Eintrag samt Quellenangabe: ",Ein Ehegatte stirbt ganz plötzlich, weil seine Frau ihm in den Mund gefurzt hat.' Raspail, Naturgeschichte der Gesundheit und Krankheit, 1846, Bd. I, S. 168". Hans-Horst Henschen hat sich die Monsterarbeit angetan, Flauberts mehrhundertseitige Sammlung des laufenden Schwachsinns zu übersetzen und zu kommentieren. Mehr als nur eine Begleitlektüre zu den Romanen des späten Flaubert ist sein "Briefwechsel mit den Gebrüdern Goncourt", die heute vor allem als Stifter des gleichnamigen Literaturpreises bekannt sind. Ebenso wie Flaubert waren auch Edmond und Jules schonungslose Beobachter ihrer Umwelt, grandiose Spötter - und Bewunderer des Romanciers: "Sie, mein Lieber Flaubert, hätten die Welt viel besser gemacht, als sie gemacht ist; Sie hätten nicht am siebenten Tage aufgehört. Wenn man einen Gott zur Wahl aufstellen wird, werden wir Ihnen unsere Stimme geben."

Klaus Taschwer in FALTER 51/2004



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